Das Publikum der Baumuster-Central beim Begutachten verschiedener Materialbeispiele der mineralischen Keim Farben. Fotos: SBCZ
Im Auftrag von Keim Farben

Stein am Brett

Der erste Brownbag-Lunch 2026 stand im Zeichen von Holzfassaden und ihren Farben. Aldo Degasperi von Keim Farben und Martin Jöhl vom Hobelwerk Eisenring boten Einblicke in ihre Arbeit.

Wie die ersten wärmenden Frühlingsstrahlen brachte auch der gut besuchte Brownbag-Lunch Ende Februar 2026 Farbe ins Spiel. Aldo Degasperi, Projektleiter Holz bei Keim Farben, stellte die mineralische Dünnschichtfarbe Lignosil-Artis vor. Anschliessend erklärte Martin Jöhl vom Hobelwerk Eisenring in Gossau, wie die Lage eines Brettes im Baumstamm mit seinen späteren Eigenschaften und der Verarbeitung zusammenhängt.

Der gut besuchte Brownbag Lunch steht im Zeichen der (Holzfassaden-)Farbe.

Der Titel «Der steinige Weg auf Holz» sei nicht im übertragenen Sinn zu verstehen, scherzte Aldo Degasperi zu Beginn seines Referats. Zwar habe die Firma Keim lange herumgetüftelt, um mineralische Dünnschichtfarbe in der Qualität zu erreichen, wie sie seit 2010 vermarktet werden. «Steinig» beziehe sich aber auf ihre mineralische Materialität.

«Das Herzstück einer Farbe ist das Bindemittel», so Degasperi. Bei Keim wird dafür Quarzsand mit Kaliumcarbonat (Pottasche) verschmolzen, daraus entsteht Wasserglasschmelze, die unter Druck gelöst wird. Das daraus entstehende Bindemittel – gelöstes Wasserglas – und die beigemischten Farbpigmente sind zu hundert Prozent UV-stabil. Die Pigmente werden mit mineralischen Füllstoffen versetzt, sodass eine Kompatibilität mit dem Bindemittel entsteht. Nur so kann eine optimale Bindekraft erreicht werden. Statt sich als unabhängige Schicht auf das Holz zu legen, treten Holz und Farbe in einen Dialog und verbinden sich. Das ist zentral für eine langlebig schöne Fassade.

Ein Bildvergleich zwischen einem organischen und einem mineralischen Farbaufstrich zeigt: Die organische Farbschicht verliert mit der Zeit ihre Elastizität, wird spröde und beginnt abzublättern. Dies kann bei Fassaden mit mineralischen Farben nicht passieren, da sie atmungsaktiv sind. Das Wasser kann stets über die ganze Fläche diffundieren, was Hinterfeuchtungen verhindert. Die Farbe bleicht auch nicht aus, da sie UV-stabil ist. Lediglich an ausgesetzten Stellen kann sich die Farbe mit der Zeit in feinen Schichten abbauen, was aber mit einem Anstrich wieder aufgefrischt werden kann.

Im Gegensatz zu organischen bleiben mineralische Farbanstriche diffusionsoffen und altern besser.

«Viele meinen, man müsse gegen das Wasser arbeiten», sagte Degasperi. Das sei aber meist ein Bumerang. Keim arbeitete deshalb mit dem Wasser. Das mineralische Material nimmt das Wasser auf und wird an der Umgebungsluft schnell wieder trocken.

«Als wir vor 30 Jahren mit unseren Silikatfarben für Holz auf den Markt gekommen sind, hat man uns den Vogel gezeigt», erinnerte sich Aldo Gasperi. Da Holz organisch ist, war man damals überzeugt, auch die Farbe müsse organisch sein. Verschiedene Bilder von gut gealterten Farbfassaden beweisen heute das Gegenteil. Sie zeigen Farboberflächen, die die Holzstruktur sichtbar lassen und auch nach vielen Jahren noch kräftig leuchten.

Einzigartigkeit macht Holz komplex

Nicht nur das Verhalten von Farbe, auch das Material Holz selbst gilt es zu kennen und zu verstehen, sagte Martin Jöhl vom Hobelwerk Eisenring. Die Firma aus Gossau arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit Keim Farben zusammen.

Jedes Stück Holz sei einzigartig und nie gleich, eine Scheibe Rundholz nie ganz rund. Je nach Witterung in einem Jahr fallen die Jahrringe enger oder weiter aus, auch eine Verletzung lasse sich ablesen. Gerade diese Einzigartigkeit, so Jöhl, mache seine Arbeit komplex, denn nicht jedes Holz eignet sich für jede Nutzung.

Auch wenn es in der Schweiz genug Holz gibt, plädierte er dafür, auf die wirtschaftliche Nutzung zu achten. Es sei wichtig, die Einschnitte beim Rundholz so zu setzen, dass möglichst viel Holz genutzt werden könne. Je nach Holzart ist die Ausnutzung unterschiedlich hoch. Die Lärche hat beispielsweise eine relativ breite Aussenschicht Splintholz, die im Holzbau nicht verwertet werden kann. Auch die Wahl der Qualität hat einen Einfluss auf die Ausnutzung: Üblicherweise sind maximal 60 Prozent eines Rundholzes nutzbar, bei A-Qualität nur gerade 20 Prozent.

Je nach Schnittmuster verändert sich die Ausnutzung eines Rundholzes.

Für stark beanspruchte Fassaden empfiehlt der Holzfachmann den mittengetrennten Schnitt: Dafür wird ein Brett aus der Mitte der Jahresringe herausgeschnitten und in vier kleinere Bretter geteilt. Da die Jahresringe dadurch fast senkrecht zur Oberfläche stehen, verzieht sich das Brett weniger und verhält sich bei Feuchtewechsel ruhiger. Dies sei auch für eine Farbbeschichtung vorteilhafter. Zusätzlich zu beachten im Zusammenspiel mit Farbe: Die Oberfläche sollte nicht glatt geschliffen, sondern strukturfein sein. Leicht geriffelt kann sie die Farbe besser aufnehmen und sich mit ihr verbinden.  

Das Publikum konnte in der Baumuster-Central nicht nur verschiedene Materialbeispiele begutachten, sondern auch selbst Farbe auf Holz auftragen.

Nach den beiden Referaten hat das Publikum nicht nur die Gelegenheit, sich persönlich mit den Fachreferenten auszutauschen und Materialbeispiele zu betrachten. An Aldo Gasperis Tisch können sie auch selbst ein Brett mit Keim-Farben anstreichen und mit nach Hause nehmen. 

KONKRET – BROWNBAG-LUNCH «Stein im Brett» zum Nachschauen

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