Grosser Andrang in der Baumuster Centrale zur Präsentation von HSC und Via.
Im Auftrag von HGC

Einfach und individuell

Am Brownbag-Lunch der Baumustercentrale zeigte sich die Baustoffhändlerin HGC mit zwei Gastrednern zum Thema Recyclingterrazzo ganz am Puls der Zeit.

Bricht in Zürich bald eine neue Epoche mit individuell gemusterten Terrazzoböden an? Fast würde man es erwarten, angesichts des Publikumsauflaufs und der aufgeräumten Stimmung in der Baumuster-Centrale an einem Donnerstagmittag Mitte März. Rund 190 Architektinnen und Planer lauschten den Ausführungen von Martin Klein, Partner bei Morger Partner Architekten, und Norbert Kummermehr, Geschäftsleiter der Via GmbH, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Bauschutt als Zuschlagsmaterial von Terrazzobodenbelägen zu verwenden. Die beiden Referenten waren von der Schweizer Baustoffhändlerin HGC eingeladen worden, die die Produkte von Via in der Schweiz exklusiv vertreibt.

Ein Satz von Via-Geschäftsleiter Kummermehr liess viele aufmerken: «Architekten können uns Material schicken, zum Beispiel alte Dachziegel, Flaschenkorken oder sogar Legosteine, wir schreddern sie und stellen daraus eine individuelle Mischung her.» Doch der Reihe nach.

Am Materialtisch lassen sich die Gäste von der Vielfalt inspirieren.

Wertige Materialien für Haus der Werte

Am Beispiel eines Ersatzneubaus in Basel führte Martin Klein, Morger Partner Architekten, die Wertigkeit und Vielseitigkeit von Terrazzo vor. Das Gebäude der Odd Fellows, einer Vereinigung für ethisches und humanistisches Denken und Handeln, steht an einer Einfahrtsstrasse auf einer Eckparzelle in Basel. Im Zuge der städtischen Verdichtungsstategie und Aufzonung ihrer Parzelle beschlossen die Odd Fellows, ihr «Haus der Werte» neu zu denken.

Im «Haus der Werte» zieht sich der Terrazzo vom Foyer im Erdgeschoss über die Wendeltreppe bis in den Vorraum der Haupthalle im Untergeschoss. Der beigemischte goldgelbe Marmorsplit wird nach dem Schleifen sichtbar.

Ab der Fertigstellung im Frühjahr 2026 nutzt die Vereinigung weiterhin die Räume im Unter- und Erdgeschoss für ihre Treffen und Veranstaltungen, darüber befinden sich sechs Geschosse mit 27 durchgesteckten Wohnungen. In ihrem Entwurf verwies das Architekturbüro auf Mailänder Stadthäuser aus der Nachkriegszeit. Sichtbar wird diese Referenz etwa in der grünen Keramikfassade, die passgenau aufs Fensterraster abgestimmt wurde; wie auch im Terrazzoboden, der im Odd-Fellows-Hausteil vom Foyer via Wendeltreppe bis in den Vorraum der kreisförmigen Kuppelhalle «hinunterfliesst». Der Entscheid fiel auch deshalb für Terrazzo, weil die Architekten angesichts der komplexen Raumformen ein fugenloses Material suchten. «Beim Versuch ein ansprechendes Verlegemuster für einen Plattenboden zu entwerfen, wäre uns hier wohl der Bleistift abgebrochen», sagte Martin Klein. Im Zuge ihrer Recherche seien sie bei HGC auf den Recyclingterrazzo von Via gestossen. Sie wählten eine Mischung mit goldgelbem Marmorsplit, die gut zu den weiteren eingesetzten Materialien wie der Holzvertäfelung der Wände und zum Messing der Eingangstür und der Bodenschienen passte. Das besondere an diesem Boden, so Martin Klein, sei seine geringe Stärke, die gerade mal 8 bis 10 Millimeter misst. «Zuerst sieht der frisch gegossene Boden unspektakulär und dumpf aus, dann aber wird er geschliffen, und es kommen nach und nach die Steine und die materielle Opulenz zum Vorschein.» Da sich der Terrazzo über die Wendeltreppe zieht, war der Prozess relativ aufwendig. Vor der Kuppelhalle, wo drei Messingringe – sie symbolisieren den Odd-Fellows-Leitspruch «Freundschaft, Liebe und Wahrheit» – im Boden eingelassen sind, platzierten die Handwerker die Steine gar von Hand. 

Norbert Kummermehr, Geschäftsleiter von Via, zeigt, wie der Recyclingterrazzo geschliffen wird.

Kalkterrazzo nach venezianischer Tradition

Die Herausforderung bei herkömmlichem fugenlos verlegtem Terrazzo: Er kann reissen, weil der in der Mischung enthaltene Zement beim Trocknen schwindet. «Das wollten wir nicht erleben», sagte Norbert Kummermehr, Geschäftsleiter der deutschen Firma Via. Deshalb entwickelten er und sein Team einen Terrazzo nach venezianischer Tradition für den heutigen Gebrauch weiter. Den Terrazzo, den das Unternehmen herstellt, ist mit Kalk gebunden und härtet mit Wasserglas aus. Da der Härtungsprozess eine Kristallisation ist und keine Hydratation, schrumpft der Bodenbelag nicht und bleibt rissfrei. Ein weiterer Vorteil: Schon nach 24 Stunden lässt er sich schleifen, und die Einschlüsse werden sichtbar. «Heute einbringen, morgen schleifen», sagt Norbert Kummermehr zufrieden.

Bei der Materialbeigabe für den Recyclingterrazzo scheint der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Im Angebot von Via befindet sich etwa Terrazzo, dem grünes oder braunes Glas, Dachziegel oder Backsteine beigemischt wurde. Das Verhältnis von Recycling- und Bindematerial ist circa 60 zu 40. Doch das bereits erwähnte Angebot an die Architekten scheint ernst gemeint. Der Via-Geschäftsleiter zeigt den versammelten Gästen individuell gemischte Böden mit blauem Glas, aus einem lokalen Gestein oder gar aus alten Lego-Steinen. «Und nun, da die Schweizer Firma HGC uns als Produzenten entdeckt hat, träumen wir davon, mit Gestein von jedem Schweizer Berg Terrazzo zu machen», verriet Norbert Kummermehr.

Gemischt werden die Beigaben und das Bindematerial direkt in Eimern. So lassen sie sich einfach und lange lagern, und es braucht weniger Wasser, als wenn die Mischung frisch angerührt würde. Wer den Terrazzo nicht nur mit eigenem Recyclingmaterial mischen lassen, sondern ihn auch gleich selbst einbauen will, ist bei Via ebenfalls an der richtigen Adresse. Sie leihen ihre Profi-Geräte – Schleifmaschine und Staubsauer – an ihre Kunden aus.

KONKRET – BROWNBAG-LUNCH «Einfach individuell» zum Nachschauen

close

Kommentare

Kommentar schreiben