Tessa Storm von der Firma Kustik beim Brownbag-Lunch in der Baumuster Centrale. Fotos: SBCZ
Im Auftrag von Kustik

Inklusiver durch Zellulose

Beim Brownbag-Lunch sprachen der Akustikexperte Kurt Eggenschwiler, der Architekt Remi Versteeg und Tessa Storm von Kustik über die Einflüsse einer guten Akustik auf das Wohlbefinden.

Beim Brownbag-Lunch in der Schweizer Baumuster-Centrale drehte sich unter dem Motto «formfolgend enthallen» alles um einen Akustikspritz aus Zellulose. Dieser wird in den Niederlanden von der Firma Acosorb hergestellt und in der Schweiz von Kustik vertrieben und verbaut.

Zu Beginn informierte der Zürcher Akustikexperte Kurt Eggenschwiler über die neue SIA-Norm 181/1 für Raumakustik, die im Februar 2026 in Kraft tritt. Hierbei geht es um bessere Sprachverständlichkeit und Lärmreduktion in Alltagsräumen, wozu Bürogebäude, aber auch Schulen oder Restaurants zählen. Erreicht wird das in erster Linie über eine Verringerung der Nachhallzeit und eine Reduktion von Störgeräuschen. Eine gute Akustik sorge für eine bessere Arbeits- und Lernleistung und fördere das Wohlbefinden, so Eggenschwiler. Insbesondere Menschen mit Hörbeeinträchtigung seien auf eine gute Raumakustik in ihrem Alltag angewiesen. So verweist die SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» ebenfalls auf die neue Akustiknorm, die Inklusion als Standard definiert.

Der Zürcher Akustikexperte Kurt Eggenschwiler

Besucherinnen der Baumuster Centrale beim Begutachten des Akustikspritz' von Kustik.

Wie sich eine gute Raumakustik mit architektonischer Gestaltung verbinden lässt, zeigte Remi Versteeg von Beyond Space. Das niederländische Architekturbüro wurde in Zusammenarbeit mit dem Berner Büro Fritschi Beis Architektur mit der Gestaltung der Bürowelt im neuen Hauptsitz von Holcim im Zug beauftragt. Hierfür beschäftigten sich die Architekturschaffenden intensiv mit Fragen des zukünftigen Arbeitens. Versteeg führte die rund 80 Besucherinnen und Besucher in einer kleinen Zeitreise durch die letzten 100 Jahre und präsentierte dabei verschiedene futuristische Arbeitswelten. Ein Abgleich mit der gebauten Wirklichkeit zeigt in dieser Zeitspanne erstaunlich häufig Grossraumbüros. Diese sind je nach Epoche luftig gestaltet, sehr dicht belegt oder mit farbigen Spielwelten à la Google möbliert. Gemeinsam haben die Grossraumbüros eine schwierige Raumakustik und eine meist auswechselbare Atmosphäre, argumentierte Remi Versteg. Weiter bezog er sich auf eine Studie aus dem Jahr 2019, in der 65% der Beschäftigten angaben, mit der Raumakustik an ihren Arbeitsplätzen unzufrieden zu sein. Beyond Space wollte in Zug die Identität des Zementherstellers in den Bürobereichen sichtbar machen. Hierfür bedienten sie sich der vielfältigen Zusatzstoffe von Zement und dem Potenzial moderner Betontechnologien als Ideengeber. Diese bilden die Grundlage zur Gestaltung unterschiedlich nutzbarer und gestalteter Räume auf rund 9000 Quadratmetern Bürofläche. Um diese gestalterische Diversität mit ihren Freiflächen und unterschiedlichen Materialien akustisch in den Griff zu bekommen, arbeiteten Beyond Space grossflächig mit dem hochabsorbierenden Zellulose-Spritz von Acosorb. Dieser wurde in mehreren Schichten an die Decke gespritzt. Anschliessend waren die Architekturschaffenden frei, die Decke mit den unterschiedlichsten Abhangelementen räumlich zu definieren.

Remi Versteeg vom niederländischen Architekturbüro Beyond Space

Im letzten Kurzvortrag stellte Tessa Storm von der Firma Kustik den Akustikspritz von Acosorb genauer vor. Das auf recycelter Zellulose basierende Flockengemisch ist in unterschiedlichsten Farben und Strukturen erhältlich. Bereits bei einem Auftrag von wenigen Millimetern entsteht eine schallabsorbierende Oberfläche, die fugenlos und selbst über bestehende Leitungen oder Installationen angebracht werden kann. Je nach Frequenz kann sich der Nachhall so um über 70% verringern. Der Spritz wird in bis zu acht Schichten kreuzweise aufgetragen. Die Zellulose, die je nach Produktlinie auch aus alten Zeitungen hergestellt wird, wird vor dem Sprühen mit einem Klebstoff auf Wasserbasis vermischt. Und auch der Rückbau ist möglich: Nach dem Trocknen lässt sich der Akustikspritz wieder herunterkratzen und erneut in den Materialkreislauf zurückführen.

Materialmuster gibt es an jedem Brownbag-Lunch anzufassen.

Mit den drei Kurzvorträgen zeigte der Brownbag-Lunch, dass hochabsorbierende Decken eine gute Grundlage für eine inklusive Raumgestaltung bilden. Zellulosebasierter Akustikspritz stellt hierfür eine überraschend einfache und wirkungsvolle Lösung mit viel Gestaltungsspielraum für Planende dar.

Video vom Brownbag-Lunch «formfolgend enthallen» - Akustikspritz aus Zellulose von Kustik in der Schweizer Baumuster-Centrale.

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