Axel Riester von der Firma Naturo Kork erklärte die Herkunft des uralten Materials.
In Zusammenarbeit mit Naturo Kork

Neue Liebe zum alten Kork

Als warmbraun-gemusterter Bodenbelag ist Kork seit langem bekannt. Nun macht ihn neues Beschichtungsverfahren beständiger, und der Digitaldruck schafft es, den Kork fast bis zur Unkenntlichkeit zu verwandeln.

 

Schauen und kauen ist der Zweck der Brownbag-Lunches in der Schweizer Baumuster-Centrale an der Zürcher Weberstrasse. Am 21. September lud die Firma Naturo Kork aus Sursee, die Kork seit 1992 verarbeitet, zum informativen Mittagessen. Axel Riester von Naturo Kork erklärte zunächst dessen Herkunft: Rund 150 Jahre alt werden Korkeichen, die vorab im trockenen Süden wachsen von Portugal über Spanien bis Nordafrika, aber auch in China. Nach 25 Jahren darf ihre Rinde zum ersten Mal geerntet werden und dann alle neun Jahre wieder. Gut gepflegt, liefert ein Baum also während 125 Jahren Material. Seit rund 5000 Jahren werden Weinzapfen aus der Rinde gestanzt und die Zapfen sind bis heute der Hauptverwendungszweck von Kork. Der durchlöcherte Rest wird geschreddert, die Brösel dann zum Beispiel zu Platten gepresst. In der Baumuster-Centrale konnte das Publikum originale Rinde anfassen: Die Stücke waren für ihre Grösse fast unbegreiflich leicht. Die Aussenseiten zeigten wind- und wetterverfurchte Reliefs in silbernem Grau, die Innenseiten feinen, weichen, hellbraunen Kork – ein wunderschönes Material.

Im Haefeli Moser Steiger-Bau des Zürcher Universitätsspitals liegen teils noch originale Korkböden aus den 1940er Jahren, teils wurden sie wiederum durch Kork ersetzt: Einer der Gründe für die häufige Anwendung in Spitälern, wo tagein, tagaus Betrieb herrscht, ist die hervorragende Trittschalldämmung des Korks.
Wird er gepresst, erhält er eine hohe Festigkeit, und auch beim Beschichten gelangen im letzten Jahrzehnt Fortschritte: Im Hot Coating-Verfahren wird eine Polyurethan-Schicht aufgetragen, die den Kork dauerhaft versiegelt. Mit dieser chemischen Beschichtung bietet sich das Material für viele weitere Gebäude an. Zudem erweitert der Digitaldruck die Möglichkeiten: Naturo Kork bietet auch bedruckte Korkoberflächen an, die täuschend echt nach Parkett oder Stein aussehen.

Architektinnen und Architekten aber lieben den Kork, wie er ist. Isa Stürm von Stürm und Wolf Architekten stellte das Wohn- und Geschäftshaus Neugasse in Zürich vor, das sie im Auftrag der Sozialversicherungsanstalt SVA realisierten. Sie liessen dabei vier grosse Teambüros mit Korkplatten auslegen, ein Pionierprojekt im Bürobereich. Das kleinteilige Hell-Dunkel-Muster des Korks strukturiert die Räume sanft, die Brauntöne geben ihnen ein warmes Gepräge. Die Brillenfirma Viu wiederum nutzt Kork für ihre Ladenausbauten. Viu-Architektin Sophie Kaiffer stellte die Stores in Kopenhagen und Bern vor, wo Korkplatten als sachte bewegter Hintergrund der Brillen-Präsentationswände dienen; teils lässt Kaiffer den Kork auch leicht einfärben.
Preislich liegt Kork gemäss Naturo Kork leicht über einem guten Parkettboden. Das liegt daran, dass Platten-Herstellung noch einiges an Handarbeit bedingt. Wer ökologisch bauen möchte, liegt mit unverfälschtem Kork nicht daneben: Im Unterschied zu Holz braucht man dafür den Baum nicht zu fällen, sondern nur seine Rinde zu ernten, und das während 125 Jahren.

Der Brownbag-Lunch ist eine Veranstaltung der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich.

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