Auch im Regen schön: Besenstrich und aussenliegender Falz charakerisieren die Blechfassade der Spitalpharmazie des Kantonsspitals Aarau. Fotos: BMZ und Steiger Concept
Im Auftrag von KABE Farben

Besenstrich auf Metall

Bei der Fassade der Spitalpharmazie des Kantonsspitals Aarau haben KABE Farben mit Steiger Concept ein Besenstrich-Finish für eine Metallfassade entwickelt. Am Brownbag-Lunch präsentierten sie das Verfahren.

Der Wunsch, industrielle Fertigung und traditionelles Handwerk zusammenbringen, zieht sich als Konstante durch die jüngere Architekturgeschichte. Bei der Blechverkleidung der Spitalpharmazie des Kantonsspitals Aarau von Steiger Concept ist diese scheinbar unvereinbare Liason im kleinen Massstab gelungen.

Marco Capizzi, Leiter Anwendungstechnik bei KABE, erklärt, was Bonding ist.

Doch von vorne: Das Gebäude der Spitalpharmazie des Kantonsspitals Aarau aus den 1980er-Jahren musste saniert und umgebaut werden.  Um die Kompaktheit und Kubatur ihres Baus zu betonen, haben die Architekten die Fugen zwischen den Blechen durch aussenliegende Falze «überwunden», wie Projektleiterin Sabina Bogacz am Brownbag-Lunch vom 10. Juni erzählte. Dafür liessen sie eine Blechplatte unter eine markante, plastische Aufkantung am Rand der anderen Platte schieben. So verschwindet der Plattenstoss.

Sabina Bogacz, Projektleiterin bei Steiger Concept und Luigi Gelsomino, Inhaber des Traub Pulverbeschichtungswerk in Kreuzlingen, blicken auf ihre Zusammenarbeit zurück.

Zusätzlich sollte ein Besenstrich-Finish dem dünnen Material mehr Körperhaftigkeit verleihen. Diese unregelmässige Textur, die durch einen von Hand gezogenen Besen entsteht, diente den Architekten als handwerkliches Vorbild und optische Referenz. Mit diesem Bild im Kopf beziehungsweise mit selbsthergestellen Mustern gingen Steiger Concept auf den Farbenhersteller KARL BUBENHOFER (KABE Farben) zu. «Weil eine derartige Lackierung aus einer Grundierung und Decklackierung besteht, konnten wir den richtigen Farbton nicht einfach aus dem Regal ziehen.», blickt Marco Capizzi, Leiter Anwendungstechnik bei KABE, an der Veranstaltung zurück. Denn in den Tälern der Pulverschicht wird die Grundierung sichtbar, was den Farbton nach dem Besenstrich verändert. In aufwändigen Versuchen, dem sogenanntem Bonding, hat KABE – fürs blosse Auge unsichtbare – verschiedene Mengen von Effektpigmenten auf die Pulverlackkörner aufgetragen. So lange bis das richtige Mischverhältnis gefunden war. Die lösungsmittelfreie Technik der Pulverbeschichtung ist aufwändig, aber sie schützt Aluminium und Stahl vor Umwelteinflüssen: Vor dem Beschichten werden die Bauteile entfettet, mit Wasser gespült, chromfrei korrosionsbeständiger gemacht und im Anschluss getrocknet. Danach werden sie durch eine Beschichtungsanlage geführt, wobei die elektrostatische Aufladung des Pulvers dafür sorgt, dass dieses auf dem Werkstück haften bleibt.

Das Baumuster betrachten, betasten und prüfen können – der Daseinsgrund der Baumustercentrale.

Nach der Pulverbeschichtung war die Arbeit aber noch lange nicht getan und für Luigi Gelsomino, Inhaber des Traub Pulverbeschichtungswerk in Kreuzlingen, begann sie erst: «Besenstrich auf Metall im grossen Massstab war für uns Neuland», so Gelsomino, «doch die Handarbeit machte Sinn, denn waren ja sehr viele unterschiedliche geformte Elemente zu bearbeiten».

Am 1:1-Muster eines Fassadenmoduls konnte die haptische und visuelle Qualitiät des Veredelungsverfahrens geprüft werden.

Die Bearbeitung mit dem Besen erfordert viel handwerkliches Geschick, die richtige Borstenhärte und Druck des Besens auf das Blech spielen für das Endergebnis eine wichtige Rolle. Nach mehreren Versuchen, hatte die Beschichtungsprofis von Traub dies schnell im Griff. Das Ergebnis überrascht durch eine haptische und visuelle Kraft: Man will das Blech berühren und mit den Fingern die Besenspuren spüren.

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