Tobias Tommila's Entwurf (Betreuung: Professur Eberle) für ein neues Volkshaus stapelt verschiedene Programme wie in einem expressiven Hochregal.

Bahnhofplatz neu gedacht

Die Architektur-Masterstudenten der ETH Zürich entwarfen einen Ersatzneubau für das Habis Royal und zeigen städtebauliche Potentiale für den Bahnhofplatz Zürich auf.

Der Zürcher Bahnhofsplatz ist derzeit Vieles: ein dichter Verkehrsknotenpunkt aus Tramhaltestellen, Strassen, Taxistand, Abgängen zum Shopville und zum Tiefbahnhof der Sihltal-Linie. Nur eines ist er nicht: ein Platz für Fussgänger mit Aufenthaltsqualität. Wer als Besucher am Hauptbahnhof ankommt, wird entweder über enge Schneisen durch den Verkehr gelenkt oder direkt in den Untergrund geführt. Für einen Knotenpunkt, an dem täglich 400'000 Personen umsteigen und damit wichtigen Tor zu Zürich eine unbefriedigende Situation.

 
In der (künftigen) Platz- und Raumfolge von Central, Limmat, Bahnhofsplatz, Sihl, Europaallee und Gustav-Gull-Platz schnürt insbesondere das sogenannte Habis Royal zwischen Bahnhofsplatz, dem Perrondach von Meili Peter und Sihl den Raumfluss zu einem Engpass zusammen. Im Frühjahrsemester 2012 hat ETH-Professorin Annette Spiro daher unterstützt vom Zürcher Amt für Städtebau diesen besonderen Ort als Aufgabe der Masterarbeiten an der ETH Zürich gewählt, um herauszufinden welches Potential ein Neubau an gleicher Stelle hätte. Als Teil der Entwurfsaufgabe war auch ein intergrierter Abgang in die Bahnhofsunterwelt und eine (zumindest) teilweise Rückgabe des Bahnhofsplatzes an die Fussgänger gefordert.





Doch darf man ein gründerzeitliches Haus wie das Habis Royal für einen Neubau zur Disposition stellen? Die vier Wohnhäusern wurden 1879 erbauten und später als Hotel genutzt. Bereits 1985, als der neue Tiefbahnhof der Sihltalbahn unter dem Habis Royal hindurch unter dem Bahnhofsplatz angelegt werden sollte, wurde der architektonische Wert des Hotels diskutiert. Denn eine Ausschachten war wesentlich günstiger als ein Unterfangen des Hauses und das alte Bauwerk war zudem renovierungsbedürftig. Für die Denkmalpflege stand die Schutzwürdigkeit des Hauses ausser Frage, doch entschied man sich dennoch es abzureissen und lediglich die Fassade zum Bahnhofsplatz detailgenau rekonstruieren zu lassen. Gegen diese «Fassadenarchitektur» regte sich bereits in den 1980er Jahren Kritik.  





Aus den 127 Master-Arbeiten hat Hochparterre Beispiele ausgewählt, die das Potential dieses urbanen Scharniers aufzeigen.

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