Die Raumkammern stehen in den früheren Schulzimmern. Vorhänge sorgen für eine minimale Diskretion. Trotz des knappen Zeit- und Budgetrahmens sind die Einbauten sorgfältig gestaltet. Fotos: Christian Schwager

Würdevolles Provisorium

Hannes und Markus Jedele haben die Winterthurer ‹Kochschule› der Architekten Jung & Bridler in eine temporäre Asylunterkunft umgebaut.

Seit dem Angriff Russlands sind rund 770 Menschen aus der Ukraine nach Winterthur geflüchtet. Viele fanden bei Gastfamilien oder in eigenen Wohnungen eine Bleibe, weitere leben in zwei Gemeinschaftsunterkünften. Da nicht vorhersehbar ist, wie sich die Lage entwickeln wird, hat die Stadt Winterthur vom Kanton die ‹Kochschule› als temporäre Unterkunft gemietet. Die Architekten Jung & Bridler erstellten dieses Gebäude 1901 für den Frauenbund, später ging es an die Stadt und dann an den Kanton über, der es für die Kantonsschule nutzte. Innerhalb von zehn Wochen ab Planungsstart und mit beschränktem Budget in den abgewohnten Schulzimmern angenehme Lebensräume zu schaffen: Das war die Aufgabe von Hannes und Markus Jedele. Federführend war Hannes Jedele, gelernter Zimmermann mit Architekturausbildung, sein Vater Markus vom Architektenkollektiv unterstützte ihn wo nötig. Er baute 2015 Asylunterkünfte in der Kirche Rosenberg. ###Media_2### Ein wichtiges Anliegen der beiden war es, eine würdevolle Alternative zu den üblichen Messestandeinrichtungen und Zivilschutzbetten zu schaffen, die in temporären Unterkünften oft eingesetzt werden. Zudem sollten die Bewohnerinnen und Bewohner je nach familiärer Situation die Möglichkeit haben, in Doppel- oder in Kajütenbetten zu schlafen. Die Architekten konzipierten modulartige Raumkammern, die wie Möbel frei in die früheren Klassenzimmer gestellt werden können. Zwei, drei oder vier, je nach Zimmergrösse. In einer solchen Kammer finden ein Doppelbett, ein Schiebeschrank und ein Regal Platz. Ein Vorhang trennt die Schlafkammer vom Wohnbereich ab, der zwischen den Raumkammern mäandriert. Ein weiterer Vorhang markiert den Zugang zu jeder Wohneinheit. Die Raumkammern, so einfach sie sind, schaffen eine starke Identität. Das Holz erzeugt eine wohnliche Atmosphäre, veredelt durch die einfachen Leuchten und die dezent farbigen ...
Würdevolles Provisorium

Hannes und Markus Jedele haben die Winterthurer ‹Kochschule› der Architekten Jung & Bridler in eine temporäre Asylunterkunft umgebaut.

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