Collage von Lorenza. Fotos: Redaktion

Warum so langweilig: Pausenplätze aus Sicht der Kinder

Hochparterre hat schon über viele Schulhäuser geschrieben. Am Zukunftstag kommen die Expertinnen und Experten zu Wort. Fünf Kinder erzählen, was einen guten Pausenplatz ausmacht.

Auf dem Pausenplatz kommen alle zusammen – oder eben gerade nicht. Die Kinder wünschen sich Nischen und Orte, an denen sie sich hinsetzen können, chillen und «hängen». Wenn man sie fragt, was sie an ihren Pausenplätzen schätzen, sagen sie:

  • Viel Platz und Raum zum Spielen, – am besten ohne Pausenaufsicht.
  • Viele verschiedene Spielgeräte.
  • Bänke und Sitzgelegenheiten, die auch überdacht sind.
  • Infrastruktur die Orientierung bietet, wie die Glocke, die rechtzeitig zum Unterricht läutet.
  • Ein Pausenplatz, der auch in der Freizeit öffentlich zugänglich ist.

Collage von Elora.

Aber nicht alle Pausenplätze ihrer Schulen erfüllen diese Bedürfnisse. Reihum fehlt es an Bänken, und dort, wo sie vorhanden sind, kann man sich bei Regen nicht hinsetzen, weil sie nass sind. Manche sind sogar nass, wenn kein Tropfen fällt. Überhaupt lockt bei schlechtem Wetter wenig in die Pause: Zu wenig überdachte Plätze, kein Pausenraum, in dem man auch mal drinnen bleiben kann.

Die Bandbreite scheint gross. Warten einige Pausenplätze mit sorgfältiger Gestaltung auf, halten anderen den Bedürfnissen von Schulklassen nicht stand. Ein grosser Betonplatz ohne Bäume und Bänke lässt den Kindern kaum andere Möglichkeiten, als wie im Hamsterrad im Kreis zu gehen.

Collage von Svea.

Um herauszufinden, weshalb das so ist, führen Svea, Elora, Milan, Lorenza und Arthur ein Interview mit dem Architekturredaktor Axel Simon und Maarit Ströbele, Redakteurin für Landschaftsarchitektur:

Warum sind auf vielen Schulplätzen so wenige Bäume, dafür aber viel Beton?
Axel Simon: Ich bin kein Spezialist für Pausenplätze, vermute aber, dass es so viel Asphalt gibt, weil dort so viele Kinder herumrennen und spielen. Eine Wiese würde mit der Zeit kaputtgehen. Das hat also mit der Nutzung zu tun.

Maarit Ströbele: Früher hatte man weniger im Blick, dass es heiss wird im Sommer. Bei meinem Schulhausplatz gab es keine Bäume, weil dort auch öffentliche Feste wie die Chilbi stattfanden. Ausserdem war der Platz mit einer Zivilschutzanlage unterkellert, sodass man gar keine Bäume pflanzen konnte.

Collage von Arthur.

Gibt es Baumarten, die man in Schulanlagen nicht anpflanzen darf?
MS: Es gibt nicht viele Bäume, die giftige Früchte haben. Die meisten Städte haben aber Regeln für die Auswahl der Bäume. Man will keine artfremden Pflanzen oder invasive Arten, die sich schnell verbreiten, sondern bevorzugt einheimische. Das gilt auch für andere öffentliche Räume. Man hat beispielsweise gemerkt, dass sich Tessinerpalmen schnell verbreiten, darum darf man die nicht mehr anpflanzen. Ausserdem gibt es Bäume, die Allergien auslösen, das wird in diesen Regeln auch berücksichtigt.

Warum plant man die Pausenplätze nicht grösser?
MS: Es gibt einfach oft nicht mehr Platz. Städte und Gemeinden besitzen nur eine gewisse Menge an Land, und wenn es aufgebraucht ist, haben sie keinen Platz mehr zur Verfügung. Darum muss man bei neuen Quartieren gut planen, wie viel Platz man für Schulen einmal brauchen könnte. Das hat man nicht immer gemacht, obwohl es eigentlich schon lange eine planerische Grundregel gibt: Pro 2000 Menschen braucht es ein Schulhaus.

Collage von Milan.

Warum gibt es (noch) keine Schulen mit Trampolinböden?
AS: Ist das so? Ich kann mir vorstellen, dass es so etwas in den Niederlanden schon gibt. Die machen oft ausgefallenere Sachen. Ich kenne aber ein Gebäude im Lysbüchel-Areal in Basel, das zwar keine Trampolinböden hat, dafür aber Terrassen, die durch Klettergeräte miteinander verbunden sind. Das ist ziemlich lustig.

Warum gibt es auf Pausenplätzen so wenige überdachte Flächen?
MS: Man dachte wohl, dass die Kinder an die frische Luft sollen, ob es regnet oder nicht. Man wollte sie wohl abhärten, oder hat schlicht nicht bedacht, dass welche Bedürfnisse sie haben. Manchmal machen Architekten halt auch Fehler.

Wieso bauen Architekten immer dieselben Strukturen auf Pausenplätzen, mit Betonplatz, Basketball- und Fussballfeld? Und warum bringen sie nicht mehr Fantasie hinein?
AS: Als Architektin bekommt man die Aufgabe von der Schule gestellt. Dort steht halt oft dasselbe drin, das zudem bestimmte Normen erfüllen muss. Man muss zuerst diese Bedingungen erfüllen, ehe man weitere Sachen planen kann. Meist entscheiden also nicht die Architekten, was sie machen wollen, sondern die Bauherrschaften.

Warum fragt man nicht die Kinder, ehe man Schulen oder Pausenplätze baut?
AS: Gute Frage – das sollte man machen! Bisher ist es leider eher die Ausnahme. Das liegt auch daran, dass man mehr Zeit für die Planung braucht. Dann gibt es einen Partizipationsprozess, das heisst, Leute arbeiten mit Schulkindern zusammen, damit sie mitreden und Ideen entwickeln können.

MS: Beim Sekundarschulhaus in Walchwil ZG ist man auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingegangen. Der Pausenplatz war viel zu heiss und musste erneuert werden. Jetzt hat es ein Dach, Pflanzen und Bänke. beim Schütze-Areal in Zürich gab es ein Partizipationsverfahren. Dort gibt es viele lustige Sachen, etwa eine Kletterwand, einen Spielplatz oder ein Trampolin.

Was darf in einer Schule auf keinen Fall fehlen?
MS: Platz!

AS: Eine versteckte Ecke, wo man Sachen machen kann, bei denen man nicht gesehen werden will. Sowas gibt es kaum mehr, weil alles so durchgeplant ist.

Die Autorinnen und Autoren (v.l.n.r.) Svea, Arthur, Elora, Lorenza und Milan.

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