Leben und Überleben im Architekturberuf: Der anonyme Erfahrungsbericht eines (non-)SwissArchitects-Mitglieds ist zugleich ein offener Brief an alle – im Kampf für bessere Bedingungen.
«Warum hat das keine Konsequenzen?»
Leben und Überleben im Architekturberuf: Der anonyme Erfahrungsbericht eines (non-)SwissArchitects-Mitglieds ist zugleich ein offener Brief an alle – im Kampf für bessere Bedingungen.
The original English version of this article can be found here.
Nach dem Abschluss meines Architekturstudiums in den frühen 2020er-Jahren stand ich an einem Scheideweg: Ich konnte vor Ort bleiben, in einem mitteleuropäischen Ballungsgebiet, wo der Grossteil der Architekturbüros des Landes ansässig ist, die Einstiegslöhne aber kaum die Miete decken. Oder zurück in mein Heimatland gehen, das ich vor einigen Jahren bereits wegen der nicht gerade reizvollen Berufsperspektiven verlassen hatte. Oder eine andere Stadt suchen, die mir eine Gelegenheit bieten würde, für ein grosses Büro zu arbeiten und meine Karriere voranzutreiben.
Ich brauchte Arbeit und musste schnell entscheiden, was für eine Stelle ich annehmen wollte. In meinem Umfeld schienen alle auf unterschiedliche Strategien zu setzen. Einige meiner ehemaligen Mitstudierenden nahmen verlängerte Praktika mit suboptimaler Entlöhnung bei renommierten Firmen in Paris, Brüssel oder Rotterdam an, um ein solides Karriereportfolio aufzubauen. Andere hatten das Glück, für einen privaten Auftrag in ihre Heimat zurückgehen zu können. Und wiederum andere beschlossen, weiter zu studieren, um ihre späteren Anstellungschancen zu verbessern oder aber den Arbeitsmarkt so lange wie möglich zu meiden. Sehr wenige fanden eine Stelle, mit der sie ohne Unterstützung der Familie ihr Leben bestreiten und Ersparnisse zur Seite legen konnten – das immer wieder angeführte Kriterium, das etablierte Berufsleute von unfertigen Studierenden unterscheidet.
Welche Neigungen man auch immer in Bezug auf die Architektur haben mag, letztlich müssen wir uns alle mit den materiellen Arbeitsrealitäten auseinandersetzen. Unser Idealismus kann in Studienzeiten noch so gross gewesen sein – viele von uns gelangen zu der Erkenntnis, dass wir uns an jedem Monatsende gewissen Fragen stellen müssen: Reicht mein Lohn für die Miete? Wi...
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