Santiago Calatrava lebt in Zürich und baut in aller Welt. Mit dem Bahnhof Stadelhofen nahm seine Karriere Fahrt auf. Ein Versuch, den schwierigen Ingenieur, Architekten und Künstler dahinter zu verstehen.
Unerbittlich bildhaft
Santiago Calatrava lebt in Zürich und baut in aller Welt. Mit dem Bahnhof Stadelhofen nahm seine Karriere Fahrt auf. Ein Versuch, den schwierigen Ingenieur, Architekten und Künstler dahinter zu verstehen.
Fotos: Stephan Rappo
Die Fassade: ein plissiertes Glaskleid. Der Sockel: eine karamellbraune Kalksteininsel im Asphalt. Neben den Eingängen wachsen Stalagmiten aus dem Boden, davor rollt sich das Glas zum bedrohlichen Stachel.
Ich stehe vor dem Büroneubau beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich und versuche, sachlich zu bleiben. Schwierig, denn vor einem Werk von Santiago Calatrava drängen sich Bilder auf – beim Betrachten, beim Schreiben. So war es schon, als ich 1991 hier stand, die breiten Schulterblätter der Stützen und den unterirdischen Riesenschlund der Ladenpassage bestaunte.
###Media_8### ###Media_11###
Calatravas Bauten ähneln Tieren und Menschen. Sie sind bildhaft und haben einen grossen Wiedererkennungswert. Auch Laien können sie beschreiben und freuen sich, den Architekten dahinter zu kennen. In keinem Zeitungsartikel über das neue Bürohaus fehlen Beschreibungen wie «gestrandeter Wal» oder «Hochseeschiff». Das hundert Meter lange Glasdach über seinem ‹Ground Zero›-Bahnhof in New York vergleicht Calatrava selbst mit einer Taube, die aus den Händen eines Kindes davonfliegt. Kitsch ist immer Bestandteil seines Universums.
Wie also kann ich dem neuen und dem alten Werk am Rande des Zürcher Seefelds gerecht werden? Zu einem gemeinsamen Spaziergang war Calatrava nicht bereit. Auch Pläne gab sein Büro nicht heraus. So habe ich mich ohne die Hauptperson auf Recherche begeben, Texte gelesen, mit Wegbegleitern gesprochen. Ich wollte verstehen, welche Rolle Calatrava im Zürich der 1980er-Jahre spielte und wie er heute tickt. Was ist passiert zwischen dem Bau des von mir geliebten Bahnhofs und dem des selbstverliebten Bürohauses daneben?
###Media_2### ###Media_10###
Verheissung der Architekt*innen Der Bahnhof Stadelhofen ist vor allem ein städtebauliches Werk, keine Ingenieursarbeit. Er weckt zwar Bilder, doch weniger spektakuläre als die späteren, viel grösseren ...
E-Mail angeben und weiterlesen:
Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt! Wir möchten Ihnen gerne Zugriff gewähren, obwohl dieser Beitrag Teil unseres Abos ist.