Trumps architektonische
Eskapaden

Ballsaal und Triumphbogen: Der amerikanische Präsident will seine vermeintliche Grösse auch durch die Architektur vermitteln. Dabei setzt er sich gerne über öffentliche Meinung und Gesetze hinweg.

Fotos: Luca Schenardi

Ballsaal und Triumphbogen: Der amerikanische Präsident will seine vermeintliche Grösse auch durch die Architektur vermitteln. Dabei setzt er sich gerne über öffentliche Meinung und Gesetze hinweg.

Burning down the House! Was die Talking Heads 1983 in ihrem berühmten Song feierten, nämlich die Befreiung von Zwängen und einschränkenden Strukturen, setzt der amerikanische Präsident Donald Trump unter entgegengesetzten Vorzeichen um: Er reisst das Symbol der Demokratie, das Weisse Haus, buchstäblich ab und will einen seinem privaten Hotel Mar-a-Lago nachempfundenen Ballsaal im grössenwahnsinnigen Ausmass anbauen.  Diese architektonischen Allüren entsprechen seiner politischen Vorgehensweise – geschmackvoll sind sie nicht. Mit neoklassizistischen Anleihen sollen sie zwar an die Tradition des Federal Style erinnern, den Thomas Jefferson als Architekt und dritter Präsident um 1800 einführte, und damit auch an die Demokratie der alten Griechen und Römer. Doch zugleich sollen sie auch den Pomp des napoleonischen Zeitalters nachahmen. Die Trump-Methode Schon in seiner ersten Amtszeit erliess Donald Trump ein Dekret: Alle öffentlichen Gebäude sollten nur noch einen neoklassizistischen Stil aufweisen; brutalistische und dekonstruktivistische Architektur wurde explizit abgelehnt. Die Empörung war gross, und das American Institute of Architects (AIA) protestierte. Im Zuge der Covid-Pandemie und des Sturms auf das Kapitol im Januar 2021 rückte das Thema jedoch in den Hintergrund. Auch die erneute Verordnung ‹Making Federal Architecture Beautiful Again› vom August 2025 hat wenig Aufmerksamkeit erhalten. Vor allem weil andere alarmierende Beschlüsse, die täglich über die USA hereinbrechen, weit schwerwiegender sind, etwa die gewaltsamen Deportationen von Immigrant*innen oder die massive Militärpräsenz in den grössten Städten der USA. Wie schwer wiegen da schon die «Beautification»-Aktionen des Präsidenten? Trumps Taten in den ersten zehn Monaten seiner neuen Amtszeit haben verdeutlicht, wohin die Reise geht – vom Zupflastern des von Jackie Kennedy ange...

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