Redaktor Palle Petersen erachtet faire Rahmenbedingungen als Voraussetzung für eine nachhaltige Baukultur. (Foto: Jonas Frei)
Seit Januar richten sich die Planungshonorare in Zürich nach den Baukosten von 2018. Die Branche schlägt Alarm für die Baukultur. Nun muss der SIA eine Lösung verhandeln.
Das Honorar von Planenden bemisst sich an der Höhe der Baukosten. Das gilt als doppelt überholt: ökonomisch, weil es gegenteilige Anreize setzt, statt dazu anzuregen, im Interesse der Bauherrschaft zu sparen; ökologisch, weil es den Ressourcenverbrauch fördert. Längst ist allen Beteiligten klar, dass sich etwas grundlegend ändern muss. Doch was in Zürich passiert ist, ist inhaltlich unausgewogen, baukulturell bedenklich und zeitlich ungünstig.
Per Anfang 2025 revidieren das kantonale und das städtische Hochbauamt ihre Honorarvorgaben auf ähnliche Art. Da die Baukosten seit 2018 um rund 16 Prozent und somit weit stärker als die Löhne gestiegen sind, haben beide Behörden die Baukosten zur Honorarbemessung auf 2018 rückindexiert und die mittleren Stundensätze um die Teuerung während dieser Jahre (5 Prozent) angehoben. Allein betrachtet, stimmt, was die Ämter auf Nachfrage schreiben: Steigende oder sinkende Stahlpreise sollten nicht zu höheren oder tieferen Honoraren führen.
Büros und Verbände geben Gegensteuer Als die ersten Architekturbüros die Anpassung bemerken, bilden sie die ‹Arbeitsgruppe Honorare 2025› und schreiben den Baubehörden am 10. April einen langen Brief: Die Betrachtung sei grob unvollständig. Erstens sei zur Zeit der Baukostensteigerung auch der Planungsaufwand enorm gestiegen – wegen BIM und Nachhaltigkeit, entscheidungsschwacher Besteller, wegen eines stets aufwendigeren «Behörden-Engineerings» und laufend neuer, über die Grundleistungen hinaus verlangter Zusatzleistungen. Zweitens sei der Zeitpunkt 2018 willkürlich. Plausibler wäre das Jahr 2009 gewesen; damals wurden die Z-Werte, die den realen Aufwand bis zur WEKO-Intervention einfliessen liessen, letztmals angehoben. Drittens seien die Löhne seit 2009 um fast 13 Prozent gestiegen, während die Jahresarbeitszeit um mehr als 5 Prozent gesunken sei. Die Arbeitskosten seien d...
Tiefe Löhne für hohe Baukultur?
Seit Januar richten sich die Planungshonorare in Zürich nach den Baukosten von 2018. Die Branche schlägt Alarm für die Baukultur. Nun muss der SIA eine Lösung verhandeln.
07.08.2025 14:00