Temporärer Teufelskreis

Pool Architekten haben für den Kanton Zürich ein Turnhallen-Provisorium entworfen, das hohen Anforderungen genügt. Die Architektur überzeugt. Doch wo bleibt die Suffizienz?

Fotos: Ralph Feiner

Pool Architekten haben für den Kanton Zürich ein Turnhallen-Provisorium entworfen, das hohen Anforderungen genügt. Die Architektur überzeugt. Doch wo bleibt die Suffizienz?

Im Foyer der neuen Doppelturnhalle der Kantonsschulen Freudenberg und Enge in Zürich flimmert dort, wo früher gedruckte Stundenpläne hingen, ein grosser Bildschirm. Das moderne Gerät zeigt, dass die Bauherrschaft selbst bei einem provisorischen Gebäude an ihren hohen Ansprüchen festhält. Die öffentliche Hand will schliesslich mit gutem Beispiel vorangehen. Aber wie viel ist genug? ###Media_2### ###Media_3### Die Turnhallen basieren auf einem Bausystem, das Pool Architekten für den Kanton Zürich entwickelt haben. Dieser baute Varianten des Gebäudes an vier Standorten, einer davon ist die Schulhausanlage Freudenberg. Später bestellte auch die Stadt eine Version, die die Architekten auf das Schulraummodul ‹Züri Modular› abstimmten. In ihr ist mittlerweile eine ganze Generation unterrichtet worden. Die Turnhallen sind auf eine Mehrfachnutzung ausgelegt, die Konstruktion lässt sich auseinandernehmen und einlagern, um später anderswo wieder aufgebaut zu werden. Die Tragstruktur basiert auf Elementen, die in der Turnhalle sichtbar miteinander verbunden sind. Bäder und Duschen sind als Module aufgebaut. Die Wiederverwendung verteuert das Provisorium, dafür hat die Konstruktion eine längere Lebensdauer: Sie ist auf 30 Jahre ausgelegt und kann drei Mal montiert werden. ###Media_4### ###Media_7### Die Architekten können die Fassade aus Kunstharzplatten und Holz wie ein Kleid an den Kontext anpassen. Bei der Anlage Freudenberg-Enge sind die Latten rot und blau gestrichen, in Uetikon sind es Grautöne, bei den Standorten der Stadt Zürich ist das Holz unbehandelt. Das Farbkonzept entwickelten die Architekten mit der Textilkünstlerin Paola De Michiel. Feinheiten wie das filigrane Vordach oder das Rundfenster holen mehr aus der einfachen Aufgabe heraus. Das zeigt: Hohe Baukultur geht auch mit wenig Geld. Innen ist die Architektur auf das Wesentliche reduziert, um Kosten zu s...

E-Mail angeben und weiterlesen:

Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt? Wir möchten Ihnen gerne Zugriff gewähren, obwohl dieser Beitrag Teil unseres Abos ist.