Reich dank Genügsamkeit

Minimale Mittel haben eine aargauische Postfiliale in einen Kindergarten verwandelt. Der Umbau zeigt: Suffizienz muss nicht in Askese enden. Der Verzicht schafft hier einen Reichtum an Zeitschichten.

Fotos: Jason Klimatsas

Minimale Mittel haben eine aargauische Postfiliale in einen Kindergarten verwandelt. Der Umbau zeigt: Suffizienz muss nicht in Askese enden. Der Verzicht schafft hier einen Reichtum an Zeitschichten.

Landauf, landab schliesst die Post ihre Filialen, so auch in Hunzenschwil AG. Seit ein paar Jahren muss die Bevölkerung ihre Pakete und eingeschriebenen Briefe im Dorfladen Volg abholen. Und das Postgebäude aus den 1970er-Jahren? Abreissen und ersatzneubauen, so die übliche Antwort. Das unscheinbare Haus ist nicht denkmalgeschützt. Hunzenschwil aber fragte: Wieso nicht einen Kindergarten darin einrichten? Die Zürcher Architekturbüros Schmid Schärer und Weber Weber taten sich zusammen und antworteten: Gerne! Es folgte ein kleines Lehrstück in Sachen Suffizienz, das nicht nach Verzicht, Entsagung und Beschränkung ruft oder nach siffiger Wiederverwendungscollage riecht. Ganz im Gegenteil. ###Media_2### ###Media_3### Möglichst viele Elemente beibehalten Der Architekt Roger Schärer beschreibt das Gebäude als «Zweckbau mit brutalistischen Zügen». Reduzierte Fassade, wuchtiges Betondach. Die Hunzenschwiler Post ist ein Entwurf des Architekten Carlo Fröhlich, der auch die Schulhausetappe daneben geplant hat. Aussen hat der Umbau das Gebäude kaum verändert, obwohl die Architekten seine Logik umkehren mussten, um es zu den beiden anderen Kindergärten hin zu orientieren. Aus dem Liefereingang haben sie einen Haupteingang gemacht, den ehemaligen Kundenzugang haben sie durch zwei Betonmauern geschlossen. ###Media_4### ###Media_5### Auf der einen Mauer prangt ein übergrosser Poststempel, der etwas gar augenfällig an die frühere Nutzung erinnert. Roger Schärer schmunzelt. Er hätte es wohl subtiler gemacht. Doch das Beispiel zeigt, wie sehr die Bevölkerung an ihrer alten Post hängt und sie schätzt. Und eben darum geht es beim sorgfältigen Umgang mit dem Bestand. Zur Eröffnung sei die halbe Gemeinde gekommen, erzählt Schärer. «Die Leute hatten eine Riesenfreude und wollten sehen, was aus ihrer Post geworden ist.» Die Erinnerung an einen Ort hilft, dass solche unkonve...

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