Redaktor Palle Petersen findet korrekte CO2-Buchhaltung an sich mühsam, aber für die Bauwende unverzichtbar.
Beim Labelzusatz ‹Minergie Netto-Null› ist vieles gut und einiges akzeptabel. Doch die grauen Emissionen sind zu hoch, und der Abzug des Kohlenstoffs im Holz ist fahrlässig.
Seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 haben sich Staaten, Städte und Firmen Ziele für Netto-Null gesetzt. Die Schweiz hat ihres im Klima- und Innovationsgesetz (KlG) mit einen Zeithorizont bis 2050 verankert. Nun wird am 12. März der Labelzusatz ‹Minergie Netto-Null› für Gebäude lanciert. Im Prinzip funktioniert er einfach, doch liegt der Teufel wie üblich im Detail.
1. Bruttoemissionen: in der Erstellung unambitioniert Im Lebenszyklus gilt für den Betrieb der Grenzwert Minergie-P, für die Erstellung der Grenzwert 1 von Ecobau. Das verhindert zwar ein reines Freikaufen durch Zertifikate, doch das Ambitionsniveau ist tief: Bis zu drei Viertel der Emissionen fallen bei der Erstellung an. Der gewählte Grenzwert liegt für neue Wohnbauten bei etwa 9 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter und Jahr. Das ist kaum ein Viertel weniger als der Durchschnitt. Zum Vergleich: Der SIA-Klimapfad empfiehlt als ambitionierten Wert 6 Kilogramm – was Pionierbauten bereits heute unterschreiten.
2. Nachgelagerte Emissionen: hoffnungsvoll Emissionen, die in der Zukunft liegen, werden entlang des KIG-Absenkpfads reduziert – bis 2040 minus 82 Prozent für den Betrieb und minus 50 Prozent für den Ersatz. Streng betrachtet, sind diese Werte nur politisch verankert, ihr Erreichen ist keineswegs garantiert. Doch immerhin liegen der Gebäudebereich und die Industrie – im Gegensatz zum Verkehr – bis jetzt weitgehend auf Kurs. Zudem machen nachgelagerte Emissionen bei ambitionierten Bauten oft nur ein Viertel der Gesamtemissionen aus. Sinken sie langsamer als angepeilt, bleibt die Differenz überschaubar. Methodischer Optimismus ist hier akzeptabel: «Don’t let the perfect be the enemy of the good».
3. Abzug für C-Speicher: teils ohne Zertifikate Dauerhaft im Gebäude gespeicherter Kohlenstoff wird zu 100 Prozent abgezogen, der im Holz nur zu 64 Prozent – basierend auf einem gemeinsam mit der ETH e...
Kreative Buchhaltung für Netto-Null
Beim Labelzusatz ‹Minergie Netto-Null› ist vieles gut und einiges akzeptabel. Doch die grauen Emissionen sind zu hoch, und der Abzug des Kohlenstoffs im Holz ist fahrlässig.
24.02.2026 08:00