Vor 50 Jahren erfand die Ausstellung ‹Tendenzen – Neuere Architektur im Tessin› den Blick auf eine regionale Architekturkultur und die Autonomie der Architektur. Nun zeigt das gta, was damals genau geschah.
Im Zahnbürstenspritz-Himmel der Schweizer Architektur
Vor 50 Jahren erfand die Ausstellung ‹Tendenzen – Neuere Architektur im Tessin› den Blick auf eine regionale Architekturkultur und die Autonomie der Architektur. Nun zeigt das gta, was damals genau geschah.
Fotos: Nelly Rodriguez
Martin Steinmann begrüsst die Gäste in Latzhose. Auf dem Foto, das im Entree der ETH Hönggerberg hängt, ist er in seinen Dreissigern und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur gta. Ein paar Jahre vorher hat er eine Ausstellung erarbeitet: ‹Tendenzen – Neuere Architektur im Tessin›. Zu dieser Verantwortung sei er gekommen «wie ein Hund zu einem Tritt», schrieb Steinmann 1975 in einem Brief an Prof. Bernhard Hoesli. Ein Tritt, der ihn bekannt machen sollte.
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Eine Ausstellung über eine Ausstellung
Zum 50-jährigen Jubiläum lassen die Kuratorinnen Irina Davidovici und Frida Grahn diese folgenreiche Schau wiederaufleben. Sie zeigen die originalen Wandtafeln, darauf schwarz-weiss Kopien von Plänen und Fotos, keine Texte. Damals hingen die Tafeln im Globusprovisiorium auf der Limmat, das die ETH-Architekturabteilung als Entwurfssaal nutzte. Die Ausstellung lenkte erstmals den Blick auf eine regionale Architekturkultur – und auf die Autonomie der Profession, wie sie zur gleichen Zeit im gleichen Gebäude von Aldo Rossi gelehrt wurde. In der Folge wurde Namen wie Luigi Snozzi, Aurelio Galfetti, Livio Vacchini oder Mario Botta einem breiteren Publikum bekannt. Und die Architektin Flora Ruchat sollte zehn Jahre später die erste ordentliche ETH-Professorin werden.
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In der Jubiläumsausstellung können wir die Kopien mit den Originalzeichnungen vergleichen: der wunderbare Zahnbürstenspritz-Himmel von Bruno Reichlin und Fabio Reinhard oder die feinen Bleistiftlinien von Giancarlo Durisch, der seine Konzept-Zeichnungen mit Primarschülerschrift anschrieb. Eine Ausstellung als Zeitreise – bei der wir auch lernen, wie einfach es im analogen Zeitalter war, eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Den Grundriss der Stellwände hatte Thomas Boga, der Gestalter der Ausstellung, auf S...
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