Sie gehörten zur lange unbeachteten Generation Schweizer Architekt*innen, bauten aber prägende Werke in allen Stadien der Moderne. Ende März schieden Esther und Rudolf Guyer gemeinsam aus dem Leben.
Esther und Rudolf Guyer
(1931/29–2026)
Sie gehörten zur lange unbeachteten Generation Schweizer Architekt*innen, bauten aber prägende Werke in allen Stadien der Moderne. Ende März schieden Esther und Rudolf Guyer gemeinsam aus dem Leben.
Fotos: Urs Walder
Lange waren sie für mich nur «die Eltern von Mike». Ungerecht, wie sie nun mal ist, fokussierte unser aller Aufmerksamkeit zuerst die in den 1950ern geborenen Rossianer, gefolgt von den Haefelis, Mosers und Steigers. Nach den Kindern die Grossväter. Die Eltern, darunter die 1931 und 1929 geborenen Esther und Rudolf Guyer, fielen zwischen Schreibtisch und Bank. 2022 lieferten Andri Gerber und Martin Tschanz mit ‹Sprengkraft Raum› die ebenso überfällige wie liebevolle Rehabilitation. Ausstellung und Buch zeigten, wie die «fünf Freunde» Pierre Zoelly, Manuel Pauli, Fritz Schwarz und eben Rudolf und Esther Guyer um 1970 herum ihren Weg von der Moderne zur Postmoderne ertasten. Ein Weg, den sehr plastische, sehr räumliche und sehr eigene Werke säumen.
Esther Andres war im Alter von 18 Jahren von Wettingen an die ETH gegangen – und dort die einzige Architekturstudentin. Früh schon wusste sie, was sie werden wollte, und verfolgte es zielstrebig. Anders als Rudolf Guyer, der sich als Maler sah. Er besuchte eine Schule in Paris, ging anderthalb Jahre auf Reisen, bis er auf Intervention seines Vaters «etwas Rechtes» studieren musste. Die ETH, an der sich beide kennenlernten, war konservativ. Kam die Moderne einmal vor, dann in verdauter Landi-Form. Das frische Paar opponierte zusammen mit anderen Studierenden. «Wir suchten etwas, an dem die jüngste Vergangenheit nicht spurlos abperlt», der Krieg, die Trümmer, so werden sie in ihrer 2002 erschienenen roten Monografie von Hannes Ineichen zitiert. Bei dieser Suche war Rudolf eher intuitiv und spontan unterwegs, Esther mehr analytisch und pragmatisch.
Italien, USA, Skandinavien
1958 war Mike auf die Welt gekommen, in Columbus, Ohio, wo sein Vater Rudolf lehrte. Kurz vor der Abreise in die USA hatte das Paar geheiratet. Vermittelt hatte die Anstellung Pierre Zoelly, der auch dort lehrte und in dessen Büro wiederum Esther Guy...
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