Von der Quartierstrasse aus ist der Unterschied zwischen dem alten Sockel und der neuen Fassade gut erkennbar. (Foto: Patrick Meyer)

Ein schlichter Zeitzeuge

Können Systembauten aus der Wirtschaftswunderzeit zeitgemässen Wohnraum bieten? Mit der Sanierung eines Doppeleinfamilienhauses im aargauischen Buchs sucht der Architekt Fabio Gsell nach Antworten.

Das Erstlingswerk des Architekten Fabio Gsell aus Baden ist die unkonventionelle Ertüchtigung eines Doppeleinfamilienhauses in Buchs. Das Gebäude wurde Ende der 1960er-Jahre im Horta-Bausystem erstellt. Das rationelle und modulare Ortbetonsystem kam wenige Jahre später auch bei der Grosswohnsiedlung Telli von Marti + Kast im benachbarten Aarau zum Einsatz. Für die Auftraggeber und den Architekten war von Anfang an klar, dass die bestehende Substanz dieses Zeitzeugen erhalten bleiben sollte. Der Systembau ist streng nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Von den Schlafzimmern aus kann man in der Ferne die Jurahöhen im Norden sehen. Der Garten im Süden wird durch hohe Tannen beschattet. Dadurch sei die Atmosphäre im Quartier waldartig und geheimnisvoll, sagt Architekt Fabio Gsell. ###Media_2### Holz findet sich nun auch als äusserste Schicht der neu gedämmten Fassade wieder. Die verbrannten schwarzen Holzlatten unterstreichen die geheimnisvolle Stimmung des Orts, nehmen die Verwitterung vorweg und bieten Pilzschutz im nebligen Aareauenland. Die Fassade besteht aus in Europa angebauter Douglasie, der Nadelbaumart, die auch im Garten steht. Früher war die Küche in einem kleinen Raum neben dem Wohnzimmer eingequetscht, nun ist sie von den Wänden befreit. Um auf einen Unterzug verzichten zu können, musste eine Stütze eingebaut werden. An sich eine bautechnisch einfache und alltägliche Aufgabe – Fabio Gsell hat daraus jedoch ein architektonisches Thema gemacht: Er verdoppelte die Holzstütze, passend zum Doppeleinfamilienhaus, platzierte die Stützen eng nebeneinander und liess sie passend zur Fassade schwarz streichen. Um die zwei offenen Zugänge zur Küche und zum Wohnbereich zu zonieren, platzierte er im Grundriss entsprechend präzise die Stützen. ###Media_3### Zur räumlichen Ertüchtigung gesellt sich die technische: Das Flachdach wurde im Zuge der Sanie...
Ein schlichter Zeitzeuge

Können Systembauten aus der Wirtschaftswunderzeit zeitgemässen Wohnraum bieten? Mit der Sanierung eines Doppeleinfamilienhauses im aargauischen Buchs sucht der Architekt Fabio Gsell nach Antworten.

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