Die Vielfalt postmoderner Architektur zeigt sich exemplarisch im Kanton Zug und regt zur Diskussion über den Umgang mit diesem Erbe an. Doch ausgerechnet dort ist es fast schutzlos der Abrissbirne ausgesetzt.
Ein Labor der Postmoderne
Die Vielfalt postmoderner Architektur zeigt sich exemplarisch im Kanton Zug und regt zur Diskussion über den Umgang mit diesem Erbe an. Doch ausgerechnet dort ist es fast schutzlos der Abrissbirne ausgesetzt.
Fotos: Cyril Kennel
In den 1980er Jahren konzipierte das renommierte Zuger Büro Hafner Wiederkehr Partner das Einkaufszentrum Metalli als «Stadtquartier» - und somit als Gegenentwurf zur Mall im Grünen. Mit seiner Wiederaufnahme der Blockrandtypologie, den offenen Plätzen und Arkaden und der ins 19. Jahrhundert schielenden Glasgalerie sowie sehr bewusst zeichenhaften und teils spielerischen Ausformulierungen ist es ein prototypisches Werk der Postmoderne. Die Dichte der zeittypischen Elemente – von der städtebaulichen Gestik mit dem Fokus auf Fussgänger:innen bis hin zu illusionistischen oder bewusst zeichenhaft formulierten Elementen gibt der Metalli für die Postmoderne Architektur der Schweiz gar eine überregionale Bedeutung. Just diesem Beispiel geht es jetzt aber insoweit an den Kragen, als dass der geplante neue Bebauungsplan – unter dem Vorzeichen der Verdichtung – den für Zug identitätsstiftenden Blockrand aufsprengen will. Dabei war es zur Bauzeit ein erklärtes Ziel, von der Idee des Punkthochhauses wegzukommen und die Stadtsilhouette mit geschlossenen Formen wieder zu beruhigen.
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Bauboom – und Baudenkmale? Die Metalli ist jedoch nicht allein im Zuger Kontext. Denn die wirtschaftliche Entwicklung des Kanton Zugs ist beispiellos eng verknüpft mit der architektonischen Postmoderne. Die Steuerpolitik des Kantons förderte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg die Niederlassung von Holding- und Domizilgesellschaften. Ein kräftiger wirtschaftlicher Aufschwung für den Kanton setzte dann in der Nachkriegszeit ein, begleitet mit einem überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstum ab 1970.
In diesem Kontext entstehen in den 1970er und 1980er Jahren in Zug Büro- und Gewerbebauten, die direktes Abbild dieser Steuer- und Standortpolitik sind. Das berühmteste Beispiel ist wohl der im Volksmund schon bald nach Fertigstellung «Dallas-Haus» genannte Fir...
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