Max Dudler vor seinem Haus in der Engadiner Gemeinde Sent – dem «antizyklischen Ort» gegenüber seinen Bürostandorten Zürich, Berlin, Frankfurt und München
Fotos: Urs Walder
Im allerletzten Rückspiegel erzählt der international tätige Architekt Max Dudler (75), wie seine Arbeit geprägt ist von der Begeisterung für das Material Stein und für die Dichte der Grossstadt.
Wir Architekten schaffen differenzierte Räume, das macht unsere Arbeit aus. Es geht nicht bloss um Hüllen, sondern um Innenräume, die Menschen erleben können. In Berlin hat mein Büro eine U-Bahn-Station mit Sternenhimmel gebaut, und die in Leipzig ist eine Walhalla aus Glasbausteinen. So etwas gefällt mir. Als wir die erste unserer bisher 16 Bibliotheken bauten, hiess es, es brauche keine Bibliotheken mehr, alles sei im Computer. Wir brauchen in der Stadt aber Orte, an denen die Menschen einander treffen können, rumhängen, studieren, kommunizieren. Das ist wichtig für die Sozialisierung. Bibliotheken sind keine Museen, sondern Orte der Begegnung.
Mein Bruder und ich sind die ersten Architekten in der Familie. In der St. Galler Gemeinde Altenrhein am Bodensee, wo ich geboren wurde, hatte meine Familie Steinbrüche in der siebten Generation; zwischen den grossen Steinblöcken habe ich gespielt. Fürs Studium ging ich nach Amsterdam, danach an die Städelschule in Frankfurt und dann nach Berlin. Damals gingen alle nach Berlin: Künstler, Musiker, Architekten. Es gab noch die Mauer und viele Reibungen. Mich hatte der Architekt Ludwig Leo dorthin gelockt. Von ihm habe ich gelernt, analytisch zu denken. Er sagte: Max, geh zum Ungers, das passt besser zu dir, als sozialen Wohnungsbau zu planen. Für Oswald Mathias Ungers habe ich dann die Messe Frankfurt gebaut. Die europäische Stadt anders definieren Als in Berlin der grosse Disput zwischen den «gläsernen» und den «steinernen» Architekten losging, wurde es mir zu pädagogisch, und ich ging nach Zürich. Ich halte mich für moderner als die Kollegen des «steinernen Berlin». Ich schätze Hans Kollhoff und auch Josef Paul Kleihues sehr, aber mir war wichtig, die europäische Stadt anders zu definieren. Man kann nicht nur dem Historischen verhaftet bleiben, sondern muss den Städten auch zugestehen, dass sie sich weiterentwickel...
Der überzeugte Europäer
Im allerletzten Rückspiegel erzählt der international tätige Architekt Max Dudler (75), wie seine Arbeit geprägt ist von der Begeisterung für das Material Stein und für die Dichte der Grossstadt.
16.11.2025 12:00