Das Geschäftshaus an der Zürcher Seefeldstrasse ist mit seinen Fensterreihen ein typischer Bau seiner Zeit. Fotos: Roger Frei

Zürcher Bürobaustein

Zu Bändern zusammengefasste Einzelfenster waren ein Markenzeichen von Ernst Zuppingers Geschäftshäusern aus den 1920er- und 1930er-Jahren – so auch am Geschäftshaus an der Seefeldstrasse in Zürich. Der Umbau machte aus zwei Häusern ein einziges.

Eng aneinandergereihte, mit Sims und Sturz zu Bändern zusammengefasste Einzelfenster waren ein Markenzeichen von Ernst Zuppingers Zürcher Geschäftshäusern aus den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren. Das «Forum» und das «Kosmos» (heute «Plaza») an der Badenerstrasse zeigen diese Elemente ebenso wie das «Capitol» an der Stampfenbachstrasse oberhalb des Centrals. Auch das Geschäftshaus an der Seefeldstrasse gehorcht dieser Ordnung: Ein dreieckiger Erker bildet den Auftakt an der Grenze zum Nachbarhaus, dann folgt die viergeschossige Fensterreihe, bis sich die Fassade elegant um die Strassenecke dreht und den Bauteil abschliesst. Nahtlos daran angebaut ist ein ganz anderes Gebäude: ein Apartmenthaus mit durchgehenden, von filigranen Geländern und Trennwänden abgeschlossenen Balkonen. Ernst Zuppinger erstellte im Jahr 1930 beide Häuser für die Baugenossenschaft Seegarten, deren Präsident er war. In den Siebzigerjahren erfuhr die Liegenschaft den letzten grösseren Umbau, dem insbesondere die Schaufensterfront zum Opfer fiel. Die Wohnungen an der Seitenstrasse waren zudem längst von Büros belegt.

Mit dem Umbau wollte die Bauherrschaft aus den beiden Häusern ein einziges machen; mit einem Eingang und einem Treppenhaus. Dafür mussten die grossen Baumaschinen auffahren: Im Hof wurde in das bestehende Gebäude eine grosse Bresche geschlagen, in der anschliessend die neue Erschliessung mit Liften und Treppe Platz fand. Ein Knackpunkt waren die Niveaudifferenzen zwischen den beiden Häusern. Kurze Treppen unterschiedlicher Länge verbinden die beiden Teile, die Lifte sind von beiden Seiten her zugänglich. Das Haupttreppenhaus ist nicht ein notwendiges Übel, sondern ein Raum, in dem man gerne die Geschosse überwindet, geführt von einem an Ort geschweissten Geländer mit einem Handlauf, der der Hand schmeichelt. Eine Ausnützungsreserve erlaubte im Hof anstelle eines niedrigen Bauteils einen Anbau mit weiteren Räumen.

Die Fassaden wurden sorgfältig saniert, die Fenster ersetzt und mit Stoffstoren als Sonnenschutz ausgerüstet. Das Erdgeschoss, das zuvor mit einem Vordach von den Obergeschossen abgeschnitten war, erhielt eine neue Gestalt mit grossen Schaufenstern für die zwei zurückkehrenden und einen neuen Laden. Die Büroräume sind einfach, aber gepflegt gestaltet. Am Boden liegt ein dunkler Wollteppich, Decken und Wände sind weiss, die Schreinerarbeiten aus dunklem Holz. Der prächtigste, auf drei Seiten offene Raum ist die von einer Terrasse gesäumte Cafeteria im Dachgeschoss.

Umbau Geschäftshaus, 2012

Seefeldstrasse 8, Seehofstrasse 15, Zürich

– Bauherrschaft: Schweizerische Nationalbank

– Bauleitung: Demmel Bauleitungen + Beratungen, Zürich

– Architektur: Spühler Partner Architekten, Zürich

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