Das Sulzerhochhaus in Winterthur steht seit Jahren leer. Fotos: Mantel Architects

Wohnen im Büroturm

Seit über zehn Jahren steht das Sulzer-Hochhaus in Winterthur leer. Der Architekt Fabian Mantel möchte es in einen Wohnturm verwandeln. Hochparterre zeigt die Grundrisse hinter dem Büroraster.

Das Sulzer-Hochhaus in Winterthur ist eine städtebauliche Leiche. Seit 2002 steht das Wahrzeichen der Stadt leer. Vor vier Jahren wurde der Bau aus den 60er Jahren nach Minergie saniert, um wieder fitt für den Markt zu werden. Doch vergeblich. Bis heute hat der Eigentümer Bruno Stefanini keine Mieter für die rund 15'000 Quadratmeter Büroflächen gefunden. Für Architekt Fabian Mantel ein unhaltbarer Zustand. «Wie ist es möglich, dass ein so grosses Volumen mitten in der Stadt verlassen dasteht?» Für Mantel ist klar: Das Hochhaus ist für eine Büronutzung nicht mehr zeitgemäss. Dafür sei die kleine Geschossgrundfläche von 600 Quadratmetern zu eng bemessen. Zudem würde derzeit in der Stadt viel neue Bürofläche geschaffen, etwa mit dem Superblock.

Der Architekt wagt deshalb den Sprung nach vorne und schlägt vor, den Turm zum Wohnhochhaus umzurüsten. Dass er es ernst meint, zeigt die Detaillierung des Projektes, das Mantel auf eigene Faust ausgearbeitet hat. Sämtliche Geschosse hat er durchgezeichnet. 147 2.5 bis 4.5 Zimmer Wohnungen fänden im Büroturm Platz. Um das denkmalgeschützte Gebäude nicht zu stark zu verändern, schlägt er Loggien vor, die wie zufällig über die Metallfassade verteilt sind. Sie ergänzen das strenge Büroraster um ein tanzendes Muster und zeigen, dass die Grundriss variieren: Hinter dem immer gleiche Achsmass der Fenster verbergen sich fünfzehn unterschiedliche Wohnungstypen. Neben dem Turm, wo heute Autos parken, will Mantel ein gläsernes Museum bauen und so den ausgestorbenen Ort als Teil der Stadt reaktivieren.

Winterthurs Stadtpräsident Ernst Wohlwend findet die Pläne durchaus «überlegenswert», wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Im engsten Umfeld des Eigentümers Stefanini beurteilt man den Vorschlag aber skeptisch. «An und für sich ist die Idee sympathisch – aber sie kommt 15 Jahre zu spät», sagt dessen Architekt Bruno Lehmann, der die Sanierung des Turms geleitet hat. Die Kosten für den Umbau seien zu hoch und der Denkmalpflege würden die Eingriffe in die Fassaden verunmöglichen. Mantel überzeugen diese Argumente nicht. «Gemessen an den Mietausfällen während der letzten Jahre wären die Bauinvestitionen nicht überrissen.» Der Architekt ist sich zudem sicher, dass mit der Denkmalpflege ein Konsens gefunden werden könnte. Die Eingriffe würden den Ausdruck des Gebäudes nicht grundlegend verwandeln. «Schliesslich überwiegt die gesellschaftliche Verantwortung die denkmalpflegerischen Vorbehalte», so Mantel. Denn für ihn geht es um eine Grundsatzfrage: Eine Stadt könne es sich nicht leisten, an so zentraler Lage derart viel Fläche ungenutzt zu lassen – zumal der Druck auf dem Wohnungsmarkt stetig zunehme. Er ist deshalb überzeugt: «Wenn der Vorschlag nicht jetzt aufgegriffen wird, dann spätestens in ein paar Jahren.»

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Kommentare

Filarete 12.03.2012 20:39
1. Semester ETH: "Der Mensch schläft nicht an der Aussenwand."
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Ich kann das Bild nicht lesen