Das Konzept des Schweizer Pavillons ist pädagogisch wertvoll, leider kommt es beim Besucher kaum an. Fotos: zVg

Wie seriös wir sind

Der Stadtwanderer ist enttäuscht vom Schweizer Pavillon an der Expo in Mailand.

Jeder ernsthafte Journalist schreibt: Zu viel Jahrmarkt und zu wenig Inhalt. Das gehört sich, wenn man über die Weltausstellung in Mailand berichtet. Das geschieht im allgemein anerkannten Oberlehrerton. Wenn wir, die Schweizer, eine Weltausstellung ausrichten würden, ja dann hätten wir zum Thema „Den Planeten ernähren“ Bedeutendes zu sagen. Leider funktioniert eine Weltausstellung ganz anders: Der Jahrmarkt ist der Inhalt.Hat man das kapiert, so lässt man die pädagogische Brille weg und sieht die Wirklichkeit. Rho im Industriegürtel Mailands ist roh, genauer scheusslich, niemand geht dort freiwillig hin. Der Ausstellung gelingt es eine Insel zu schaffen. Man ist woanders: im Phouptiland, hier ist jeder besser als der andere. Da ist zuerst die Hauptstrasse, das schnurgerade Rückgrat der Insel. Mit Sonnensegeln überdacht, ist diese Promenade das wichtigste Schaustück überhaupt. Hier brodelt die Menge, die Besucher stellen sich selber aus und besichtigen sich gegenseitig. Die Bühne dafür ist über einen Kilometer lang und so 50 Meter breit.Daran aufgereiht sind die Pavillons, für jeden Staat ein freistehendes Einfamilienhaus. Sie stehen auf engen Handtuchgrundstücken, die mit der Schmalseite an die Promenade stossen. Niemand verliert sich. Man geht der Hauptstrasse entlang bis man die richtige Hausnummer erreicht hat. Unterwegs wundert man sich über die formalen Klimmzügen mit welchen die Pavillons um Aufmerksamkeit buhlen. Hier wird architektonische Patisserie serviert, milionenteure Pralinés stehen zur Auswahl. Bekömmlicher ist es, sie amüsiert zu geniessen, statt sie besserwisserisch zu verachten.Zuerst, selbstverständlich, ging der Stadtwanderer zum Schweizerpavillon. Schon zu Hause hatte er gelesen, wie die Eidgenossenschaft der Welt ihre Seriosität vorführt. Die Idee der Architekten von Netwerch aus Brugg ist überzeugend: Zeigen, wie der Weltvorrat ausrin...
Wie seriös wir sind

Der Stadtwanderer ist enttäuscht vom Schweizer Pavillon an der Expo in Mailand.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?