weiterlesen mit Abo
Im Video der ETH erklären die Forscher, wie sie die Drohnen-Stadt virtuell bevölkert haben.

Wenn Architektinnen Menschen entwerfen

Fortschritt oder Hybris? Die ETH-Professoren Fabio Gramazio, Matthias Kohler und Siyu Tang haben ein Gebäude mit virtuellen Menschen bevölkert. Im Guggenheim Museum in Bilbao kann man sie beobachten.

2012 haben die ETH-Professoren Fabio Gramazio und Matthias Kohler ein Modell einer Idealstadt entworfen, das sie von Drohnen im FRAC Centre Orléans zusammenbauen liessen. Als wäre die Idee einer «Flight Assembled Architecture» – so der Projekttitel – nicht schon grenzgängerisch genug, gehen die beiden nun noch weiter auf dem Weg Richtung digitaler Extreme. Für die Ausstellung «Motion. Autos. Art. Architecture.» im Guggenheim Museum in Bilbao hat der Lehrstuhl Gramazio Kohler zusammen mit der ETH-Professorin Siyu Tang das Computermodell der Idealstadt mit virtuellen Menschen bevölkert. Die Avatare namens Sophia, Jara oder Malik existieren nur im Code, sollen aber ein richtiges Eigenleben im Gebäude entwickeln und darauf reagieren. Die 200 Avatare haben unterschiedliche Identitäten und Körperformen. Die Besucher können sie beobachten – oder den Raum durch deren Augen betrachten. Ist das nun Fortschritt oder Hybris, wenn Architektinnen nicht bloss Häuser, sondern auch die Menschen darin entwerfen? «Meiner Meinung nach ist das sehr interessant, da es den Weg in eine Zukunft weist, in der Architektur ausprobiert werden kann, indem man sie vor dem Bau virtuell bewohnt», sagt Matthias Kohler im Video zum Projekt. «Damit entsteht eine komplett neue Realität für die Planung von Architektur.» Man darf allerdings bezweifeln, dass sich diese neue Realität tatsächlich so bald durchsetzt. Auf fliegend montierte Architektur warten wir auch zehn Jahre nach den surrenden Drohnen in Orléans vergeblich....
Wenn Architektinnen Menschen entwerfen

Fortschritt oder Hybris? Die ETH-Professoren Fabio Gramazio, Matthias Kohler und Siyu Tang haben ein Gebäude mit virtuellen Menschen bevölkert. Im Guggenheim Museum in Bilbao kann man sie beobachten.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?