Die Cobiax-Luftballone in den Decken der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten sparen rund 2000 Kubikmeter Beton. Fotos: Bauart Architekten und Planer

Weniger Grau im Bau

Der Fokus im nachhaltigen Bauen verschiebt sich zusehends weg von der dicken Wand hin zu schlankem Material und Mobilität. Wie sich die graue Energie reduzieren lässt, zeigten Experten an einem Podium in Liechtenstein.

Der Fokus im nachhaltigen Bauen verschiebt sich zusehends weg von der dicken Wand hin zu schlankem Material und Mobilität. Wie sich die graue Energie reduzieren lässt, zeigten Experten an einem Podium in der Zimmerei Frommelt in Liechtenstein. Je energieeffizienter ein Gebäude im Betrieb ist, desto entscheidender wird der Anteil an grauer Energie, der in den Baumaterialien steckt. «Bei einem gut gedämmten Neubau fallen über fünfzig Prozent der Treibhausgase auf die Erstellung an», erklärte Heinrich Gugerli von der Fachstelle «Nachhaltiges Bauen» der Stadt Zürich. Dass Energieeffizienz nicht nur mit Dämmung und Heizung zu tun hat, schlägt sich vermehrt auch in den Labeln nieder. So berücksichtigt Minergie-Eco seit letztem Jahr auch die graue Energie, ebenso wie der neue Standard Minergie-A. Gleiches gilt für den Effizienzpfad Energie des SIA.

«Künftig wird die Ökobilanz von Baustoffen mitbewertet», meinte ETH-Professor Holger Wallbaum. Noch sei ein verlässlicher Vergleich zwischen Baumaterialien aber nicht möglich. «Dazu fehlen die Daten.» Erst in ein paar Jahren könne man daher entscheiden, ob ein Haus aus Beton und Ziegeln oder ein Holzbau effizienter sei. Die Zukunft liegt laut Wallbaum ohnehin in einer Kombination aus Massiv- und Leichtbau, sogenannten Hybridbauten. Architekt Peter C. Jakob vom Büro Bauart wies auf die Relevanz des Städtebaus hin und rechnete eindrücklich vor: Zieht man Infrastrukturflächen wie Strassen mit ein, entfallen auf eine Person in der Stadt 80, auf dem Land jedoch 480 Quadratmeter. Wie sich am konkreten Projekt graue Energie sparen lässt, zeigte er an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten. Um Aushub zu sparen, wurde der Keller des Altbaus für das Fundament genutzt. In die Betondecken legte man Luftballone ein und sparte so Material. Und der Abbruch des Bestandes wurde in der Nähe der Baustelle zu Recyclingbeton aufbereitet und damit die Lastwagenfahrten minimiert.

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