Ökohaus mit Swimmingpool? Die Gesamtrechnung des Shellhouses geht nicht auf.

Weiche Schale ohne Kern

Das Shellhouse gibt sich als Ökoheim: Das Dach isoliert schwungvoll, die Umweltbelastung ist gering und die Wohnfläche mit 86 Quadratmetern klein. Doch im Kern betrachtet, bleibt vor allem eines: ein schaler Nachgeschmack.

Die Denkfabrik Anthills aus Bern präsentiert mit dem Shellhouse ein Gebäude, das den Erdölverbrauch im Hausbau massiv senken soll. Das Dach schwingt in einer Rundung über die zwei Stockwerke, um möglichst wenig Energie zu verlieren. Die selbsttragende Schalenform ist aus Polystyrol gefertigt und gerade Mal 800 Kilogramm schwer. Die Fassade verbraucht laut Anthills halb so viel graue Energie wie eine konventionelle Konstruktion. Punkto Umweltbelastung soll das Haus gar drei Mal besser abschneiden. Gras und Photovoltaik auf dem Dach beruhigen das Gewissen des Käufers zusätzlich – Swimmingpool hin oder her. «Die Idee zum vollisolierenden Leichtbauhaus ist dem Wunsch entsprungen, die Ressource Erdöl möglichst schonend zu nutzen», heisst es in der Medienmitteilung. Dass Polystyrol ebenfalls aus dem schwarzen Gold gefertigt wird, ist laut den Initianten kein Grund zur Sorge: Das Material sei «vollständig rezyklierbar», der Rohstoff Erdöl werde also «nicht verschwendet, sondern gezielt eingebaut». Doch wie mit dem Einfamilienhaus das Energieproblem gelöst werden soll, hat bis jetzt nicht einmal Minergie beweisen können. Das Shellhouse optimiert die Geometrie im Windkanale der ETH, holt jedes Quäntchen Energiesparpotential heraus und ist mit 86 Quadratmeter Wohnfläche tatsächlich bescheiden. Es setzt aber auf eine Bauform, die per se über die Stränge schlägt. Das Hüsli braucht am meisten Fassade für den Quadratmeter warme Stube, verbaut Land als wachse die Ressource Boden am Baum und lässt seinen Bewohner im Stau stecken. Dennoch, das Konzept scheint für manche vielversprechend. Die Berner Gemeinde Wynau hat kürzlich die Baubewilligung für die ersten beiden Prototypen erteilt. Und die Initianten haben eine start-up-Beratung der Social Entrepreneurship Foundation SEF-Swiss gewonnen. Das Shellhouse zählt zudem zu den sechzehn besten Projekten, die sich um den SEF-...
Weiche Schale ohne Kern

Das Shellhouse gibt sich als Ökoheim: Das Dach isoliert schwungvoll, die Umweltbelastung ist gering und die Wohnfläche mit 86 Quadratmetern klein. Doch im Kern betrachtet, bleibt vor allem eines: ein schaler Nachgeschmack.

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