SIA-Präsident Stefan Cadosch: «Das Denken in zusammenhängenden Räumen ist erst am Entstehen.» Fotos: Madeleine Leupi

Was der neue SIA-Präsident im Sinn hat

Der Präsident äussert sich in der neusten Ausgabe der verbandseigenen Zeitschrift «TEC21» zur Orientierung des SIA.

Der SIA-Präsident äussert sich in der neusten Ausgabe der Zeitschrift «TEC21» zur Orientierung des SIA. Interviewt hat den Präsidenten die selbst beim Verein angestellte Redaktorin Sonja Lüthi. Der ausgebildete Architekt und Betriebswirtschaftsingenieur Stefan Cadosch bezeichnet sich als zurückhaltende Person. Trotzdem will er «nicht nur lamentieren, sondern auch mitgestalten». Der SIA sei eine funktionierende Maschine, ein Totalumbau sei nicht angesagt. Aber: «Dringender Handlungsbedarf sehe ich zum Beispiel bei Aufnahmeverfahren des SIA.»

Der SIA hat sich die fünf Kernthemen Raumplanung, Energie, Bildung, Vergabewesen und Baukultur auf die Fahnen geschrieben. Dazu konstatiert Cadosch, dass das grosse Sorgenkind der Schweiz die Raumplanung sei. «Die Zersiedlung der Landschaft ist ein Fakt.» Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative habe deutlich gezeigt, dass das Unbehagen stark zugenommen habe. Der SIA habe die Fachleute, um anstehende Problem zu lösen, doch «es nützt uns nichts, dass unsere Fachleute über das Know-How verfügen, wenn sie die zur Umsetzung nötigen Instrumente nicht in die Hand kriegen». Wird der SIA also politischer? Zwar trägt das Interview den Titel «Die Bedeutung der Politik nimmt zu», aber der SIA-Präsident will doch nicht klar Position beziehen. Zur Energiewende steht er, doch die politische Tätigkeit sei für einen Berufsverband eine Gratwanderung. Die Lösung sind politische Themen, die von einem Links-Rechts-Schema losgelöst sind. Zum Beispiel denkt Cadosch an die Förderung zeitgenössischer Baukultur. Dazu fragt er sich, ob der SIA-Preis «Umsicht» am richtigen Ort sei. «Oder sollte die Auszeichnung nicht vielmehr von einer Bundesinstitution gesteuert werden mit einem gesamtgesellschaftlichen Fokus?»

Deutlich äussert sich Cadosch zum Problem der tiefen Architekten- und Ingenieur-Honorare, ohne dass er aber Lösungen bereit hätte: «Wir Planer haben es etwas vernachlässigt, den Wert unserer Arbeit zu kommunizieren.» Der Geldfluss sei jeweils nicht hoch genug auf der Prioritätenliste. Und Architekten und Ingenieure würden die Preise selbst kaputt machen. Als Beispiel erwähnt Cadosch die seit zehn Jahren unveränderten Ansätze der KBOB. «Wenn der SIA einschreitet und eine Anpassung verlangt, verweist die KBOB auf die Offerten, die sie täglich von unseren Mitgliedern erhält und in der Regel tiefer liegen.» Bei Dumping droht die Anwaltskammer mit Ausschluss – dieses Modell wäre für den SIA zu radikal. Aber Stundenansätze von 80 Franken würden das Berufsbild nachhaltig schädigen. «Gut zu beobachten ist das heute im Bauingenieurwesen, wo der Markt ganz offensichtlich nicht mehr spielt: Es herrscht ein Überangebot an Arbeit und trotzdem verdienen Bauingenieure relativ wenig.»

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Kommentare

Jo 02.04.2012 15:44
Eigentlich wäre es höchste Zeit, dass der SIA politisch wird.
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Ich kann das Bild nicht lesen