Marcel Andino Velez: «Wenn man polnische Städte betrachtet, dann sehen sie im Westen aus wie deutsche Städte und im Osten wie russische Städte. Und Warschau in der Mitte sieht aus wie nichts sonst.» Fotos: Marek Szczepanski

Warschaus mutige Schritte

Wie steht es um das Museumsprojekt von Christian Kerez in Warschau? Welche Rolle spielt die Architetur im Programm des Museums für Moderne Kunst? Marcel Andino Velez, Vizedirektor des Museums, gibt Auskunft. Und im Herbst bietet sich die Gelegenheit alles vor Ort anzusehen.

  Gleich zu Beginn die Frage, die das Schweizer Publikum am meisten interessiert: Wie läuft das Projekt für den Neubau des Museums für Moderne Kunst von Christian Kerez? Zurzeit sind wir am letzten Schliff für die Baubewilligung. Es gab Verzögerungen, weil sich das Museumsprojekt mit anderen Investitionen im gleichen Gebiet überlagert. So wird direkt unter dem künftigen Museum eine neue Metrolinie gebaut, zudem wird auch die ganze Umgebung samt Strassen- und Fusswegnetz neu gestaltet, die die Topografie des Platzes verändert. Das Museumsprojekt ist ja nur ein Teil des Stadtentwicklungsprojekts für die Umgebung des Kulturpalastes. Wie sieht der Zeitplan aus? Im Herbst sollten wir die letzten Fragen geklärt haben. Die Finanzierung ist gesichert, wir rechnen mit Gesamtkosten von maximal 115 Millionen Euro. Wir hoffen, dass wir in zwei Jahren mit dem Bau beginnen können, 2016 wäre das Gebäude fertig. Bei den Fussballstadien ging es schneller, sie geniessen politische Priorität. So hat Warschau nun zwei grosse neue Stadien, was ja mindestens diskutabel ist. Dennoch werden wir Ende Jahr eine Ausstellung unserer Sammlung im neuen Nationalstadion durchführen. Ein Museum ohne Gebäude muss eben andere öffentliche Räume erobern — auch um das Paradox zu zeigen, dass ein Stadion für die einmalige Europameisterschaft 2012 in einer kurzen Zeit erfolgreich realisiert werden konnte, ein Kunstmuseum hingegen auf der Prioritätenliste nicht weit oben steht. Welche städtebauliche Rolle spielt das Museumsprojekt? Das Museum ist Teil der Re-Urbanisation des Warschauer Zentrums. Dieses wurde im Krieg dem Erdboden gleichgemacht, und was übrig geblieben war, wurde durch die stalinistische Stadtplanung zerstört. Das Gebiet um den Kulturpalast, wo das Museum zu stehen kommt, ist eine klaffende Wunde. Die Stadt braucht dringend städtische öffentliche Räume. Wir sind Kind...
Warschaus mutige Schritte

Wie steht es um das Museumsprojekt von Christian Kerez in Warschau? Welche Rolle spielt die Architetur im Programm des Museums für Moderne Kunst? Marcel Andino Velez, Vizedirektor des Museums, gibt Auskunft. Und im Herbst bietet sich die Gelegenheit alles vor Ort anzusehen.

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