Vals reloaded

Wie die grosse Welt ins Bergdorf holen? Darüber zerwarfen sich vor zehn Jahren die drei Männer hinter der Therme in Vals. Heute ruht der Streit, die Frage aber bleibt. Drei Frauen liefern Antworten.

Fotos: Jaromir Kreiliger

Wie die grosse Welt ins Bergdorf holen? Darüber zerwarfen sich vor zehn Jahren die drei Männer hinter der Therme in Vals. Heute ruht der Streit, die Frage aber bleibt. Drei Frauen liefern Antworten.

‹Tigerkralle in Vals› – so oder ähnlich könnte er heissen, der Film. Es gibt ihn noch nicht, aber die passende Location ist da. Unter pagodenhaften Vordächern schweben Stein- und Holzplatten, eingefroren in ihrer Bewegung, als wäre die Wirklichkeit ein Kung-Fu-Film und unser Blick die in Zeitlupe kreisende Kamera. Die berühmte Therme steht am anderen Ende des Dorfs. Wir stehen vor ihrer gebauten Explosionszeichnung. Das Tigerkrallen-Haus, Balma genannt, ist das neue Geschäfts- und Wohnhaus des Familienbetriebs Truffer, dessen Produkte seit der Eröffnung von Zumthors Bauwerk vor 25 Jahren weltbekannt sind. Die Truffers bauen den Valser Stein ab und verarbeiten ihn, keine 600 Meter entfernt. Trufferstein. Auch das Innere des Neubaus ist ein Kniefall vor dem schimmernden Gneis: Boden und Wände sind aus dem Gestein, Empfangstresen und Küchenfronten. Hinter einer Schiebewand kommt ein erlesenes «Showbad» zum Vorschein, schiefwinklig und scharfkantig getruffert. Grob gespaltene Platten machen das Treppenhaus zur spektakulären Himmelsleiter. Diagonal saust sie durchs Haus und presst alle anderen Räume dreieckig-dynamisch. Am ‹Felsen Fest› im Juni feierten die Truffers ihr Haus, die Präzision der Details, den Aufwand von Planung und Bau. Kengo Kuma, der Architekt, nannte die schwebenden Fassadenplatten in der Videobotschaft aus Osaka «Schmetterlinge». Tonnenschwer und aufgespiesst hängen sie an vorgespannten Stahlseilen. Das Haus Balma ist die Antitherme: Wo Zumthor die Geschenke des Ortes – Stein, Wasser, Licht – zu perfekten, ruhenden Räumen verschmolz, seziert der japanische Architekt den Stein, lässt ihn schweben, sausen, knallen. Ein Dorf, zwei Welten. ###Media_2### Weltberühmtheiten für das Dorf Vor zehn Jahren zerwarfen sich die Valser darüber, wer die Therme kaufen solle. Der Grund dafür waren nicht Besitzverhältnisse, sondern Weltbilder. Wie, so ...

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