Modische Einbauten zestören die Halle; die fein lamellierte Decke wird einfach schwarz weggestrichen.

Übles Gewächs in Warschau!

Vor zwei Jahren berichteten wir über den Warschauer Zentralbahnhof als Wiedergeburt einer architektonischen Perle. Nun ist das Gebäude durch Umbauten erneut akut gefärdet.

Vor zwei Jahren berichteten wir über den Warschauer Zentralbahnhof als Wiedergeburt einer architektonischen Perle. Zunächst wollten die Polnischen Staatsbahnen PKP das Gebäude abbrechen und durch ein Einkaufszentrum mit Gleisanschluss ersetzen. Da die Zeit bis zur Fussball-EM 2012 dafür nicht reichte, wurde es mit einer ‹Estetyzacja› sorgfältig saniert. Der Abbruch schien seither vom Tisch zu sein.

Dies heisst leider nicht, dass die PKP aus der Erfahrung klug geworden ist. Heute präsentierte das Unternehmen Pläne für einen erneuten Umbau des Gebäudes. Dass die noch nicht sanierte Westpassage nun ebenfalls erneuert werden soll, ist die gute Nachricht.

Diese wiegt aber nicht die schlechte Nachricht auf: Die Haupthalle des Bahnhofs soll nämlich mit Einbauten zugestellt werden. Die Renderings zeigen ein Mezzaningeschoss mit schwungvollen Brüstungen und pflanzenartig aufragenden Leuchten. «Eleganz, Modernität, Neuzeitlichkeit, Leichtigkeit, Futurismus, Überraschung», diese Begriffe brauchen die Architekten (Sud Architekt Polska) als Referenzen der neuen Halle. Passender wäre ein anderer Begriff: Übles Gewächs!

 

Die Ikone wird zerstört

Der Bahnhof ‹Warszawa Centralna› ist eine Ikone der polnischen Architektur der Siebzigerjahre, und die grosse Halle ist der beste öffentliche Raum, der in dieser Epoche in ganz Polen entstand.

Mit den geplanten modischen Einbauten in der Hallenmitte aber auch an den Rändern zerstören die Staatsbahnen PKP diesen Raum und damit eines der wertvollsten Gebäude der polnischen Nachkriegsmoderne. Werden sich die Warschauer dagegen wehren? Es ist zu hoffen!

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