Das ist nicht das Schauspielhaus, sondern ein Wohn- und Geschäftshaus. Das Theater liegt dahinter im Hof. Foto: Werner Huber, 1981

Überraschung, Freude, Skepsis. Und am Ende Erfolg?

Der Wunsch des Zürcher Stadtrats, den Theatersaal des Schauspielhauses durch einen Neubau zu ersetzen, ist plausibel. Doch die Regierung ging zu forsch vor. Ein Kommentar von Werner Huber.

Etwas überrascht war ich ja schon, als der Zürcher Stadtrat kurz vor den Sommerferien bekannt gab, dass er das Schauspielhaus abbrechen und durch einen Neubau ersetzen möchte. Wobei mit «Schauspielhaus» nicht die historistische Fassade am Heimplatz gemeint ist (das ist nicht das Theater, sondern ein Wohn- und Geschäftshaus), sondern das Gebäude im Hof dahinter.
 
Seit dem Scheitern des Wettbewerbsprojekts für einen Neubau von Jørn Utzon in den 1960er-Jahren und der 1978 abgeschlossenen Sanierung des Altbaus war ich der Meinung, das sei’s nun wohl gewesen in Sachen neuem Theatersaal.

Aus einer anderen Zeit
Ich war darum nicht nur überrascht über den Stadtrat, sondern vor allem erfreut. Vor vierzig Jahren hatte man das Beste aus der Situation gemacht und in den engen Verhältnissen ein stimmiges Ganzes aus neu gestaltetem Eingangsbereich und (damals) fünfzigjährigem Theatersaal gestaltet. Gerade recht für eine Kleinstadt, die sich nach den Boomjahren auf sich selbst zurückzog.

Seither haben sich die Welt und Zürich weiterentwickelt. Die Stadt ist am Wachsen, ist ein beliebter Wohn-, Arbeits- und Kulturort geworden, und das Schauspielhaus hat im Schiffbau eine zweite Bühne für experimentelles Theater erhalten. Dass nun auch die altehrwürdige Pfauenbühne einen grossen Schritt in die Zukunft machen soll, freut mich.

Warum hinter den Kulissen?
Aber ich war nicht nur überrascht und erfreut, sondern auch skeptisch: Kann das gut gehen, wenn der Stadtrat die Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen – weg mit dem Alten! – stellt? Und dies gleich zu Beginn der Hundstage im Sommer? Denn seit den Jahren des Zweiten Weltkriegs, als das Schauspielhaus als Exilspielort deutscher Theatergrössen Weltruhm erlangte, war das Theater eben mehr als ein Gebäude – es war ein nicht nur kulturell, sondern auch geschichtlich aufgeladener Ort. Ganz abgesehen davon, dass auch der von Pfleghard & Haefeli Architekten Ende der 1920er-Jahre gebaute Saal seine Qualitäten hat.

Es kam so, wie es kommen musste: Die Opposition folgte der Ankündigung auf dem Fuss. Zunächst sommerferienbedingt eher verhalten und abwartend, doch dann mit Wucht im Parlament.

Man mag dem Stadtrat gerne glauben, dass er alle Möglichkeiten evaluiert hat, und dass am Ende Abriss und Neubau als einzige valable Option übrig blieb. Immerhin geht es ja nicht um eine Pinselsanierung, sondern um eine aus technischen Gründen nötige Gesamtsanierung. Und da will man aus dem investierten Geld das Beste herausholen.

Aber warum liefen diese Abklärungen hinter den Kulissen? Gerade bei einem so emotional aufgeladenen Ort wäre es doch wichtig gewesen, frühzeitig eine breite Debatte anzustossen. Anhand einer Palette unterschiedlicher Lösungen könnte so verständlich werden, warum die Variante Abbruch und Neubau die richtige ist.

Anpassungen am Stück
Gestern hat der Gemeinderat eine Motion angenommen, die den Stadtrat verpflichtet, den Erhalt des Theatersaals – er ist im Inventar der Denkmalpflege aufgeführt, aber nicht geschützt – doch noch zu prüfen. Wenn der Stadtrat dies nun nicht einfach zähneknirschend macht, sondern als Chance nutzt, seine Beweggründe plausibel darzulegen, kann das Stück «Sanierung Pfauen» trotz der unglücklichen ersten Probe zu einem Erfolg werden.

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