Die portugiesischen Architekten Carlos Castanheira und Alvaro Siza entwickeln zwei Projekte zusammen mit jungen Architekturinteressierten. Fotos: Ivy Tzai

Sommerschule mit Alvaro Siza

Während eines Workshops in Boisbuchet in Frankreich entstanden unter der Leitung von Alvaro Siza zwei Feuerstellen. Die jungen, internationalen Teilnehmer profitierten vom gelassenen Umfeld und dem entspannten Meister Siza.

Die dreissig Teilnehmer des Workshops umringten den weisen Portugiesen und hörten gebannt zu – sie ununterbrochen mit dem Fotoapparat in der Hand, er ununterbrochen mit einer Zigarette in der Hand. Für den 82-jährigen Architekten Alvaro Siza waren Mitte Juni Teilnehmerinnen aus aller Welt nach Westfrankreich gereist. Im Auftrag des Besitzers der Domaine de Boisbuchet, Alexander von Vegesack, sollten sie innerhalb einer Woche zwei Feuerstellen auf dem 150 Hektar grossen Landgut entwerfen und bauen. Neben Siza begleitete Carlos Castanheira die Gruppe Architekturinteressierter.

Schon am ersten Tag stellte sich heraus, dass nicht etwa die Kursteilnehmer, sondern Meister Siza persönlich den Entwurf der zwei Feuerstellen aufstellte. Neben seinen Gedanken zum Thema teilte er auch gleich seine Skizzen mit der Gruppe. Daraufhin wurden die möglichen Bauplätze inspiziert und die Interpretation von Sizas Skizzen mit Bambusstöcken ausgesteckt. Während drei Tagen baute das Team fleissig an zwei Standorten.
Die daraus entstandenen Feuerstellen unterscheiden sich: Die eine ist naturnah, die andere erscheint konstruiert. Erstere steht auf einer Wiese zwischen Seeufer und Waldrand und besteht aus grossen, auf dem Gelände vorgefundenen Basaltsteinen. Die zweite Feuerstelle wurde aus roten Ziegelsteinen gebaut und befindet sich gegenüber einem prächtigen Steinhaus, der Unterkunft der Angestellten und der Teilnehmerinnen.
Der Abschluss des Workshops fand – aus naheliegenden Gründen – rund um das Lagerfeuer und das eigenhändig Erbaute statt.

Meister Siza, der sich auch bei dreissig klickenden Fotoapparaten nicht aus der Ruhe bringen liess, war während vier von fünf Workshoptagen vor Ort und plauderte gelassen und humorvoll mit den überwiegend jungen Teilnehmern. Seine Auffassung des Workshops war die eines Meisters, der seinen Schützlingen seine Entwurfshaltung näher bringen möchte.
Die realisierten Feuerstellen sind nur ein kleiner Teil des bleibenden Eindrucks aller Beteiligten. Ebenso wichtig waren die Gespräche in der international zusammengesetzten Gruppe, die Erfahrungen auf dem Bau und die Möglichkeit, ein kleines Stück Architektur ohne Produktionsdruck zu schaffen. Und natürlich war es auch eine einzigartige Chance, einem grossen Architekten ganz nahe zu kommen.

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