Axel Simon eröffnet die Veranstaltung zu Solaris#2 im Hörsaal von Otto Rudolf Salvisberg am Maschinenlaboratorium der ETH.

Solaris#2 oder das Haus als Maschine

Am Freitagabend feierte das Themenheft Solaris#2 mit einer Vortragsreihe an der ETH Zürich Vernissage. Die zweite Etappe auf Hochparterres Weg, anspruchsvolle Architektur und Solartechnik zusammenzubringen.

Einen «kleinen Energiekongress» nannte die Basler Architektin Anna Jessen die Vernissage des Hochparterre-Themenhefts Solaris#2. Am Freitagabend hörte man sie und drei Kollegen in kurzen Vorträgen darüber nachdenken und später diskutieren, wie gute Architektur den Energiebedarf eines Gebäudes zu senken vermag. Nicht mit applizierter Haustechnik, sondern indem das Haus selbst zur Maschine wird. Im Journalismus heisst es «Rem tene, verba sequentur» (eine Weisheit von Cato): Beherrschst du die Sache, dann folgen die Worte. Das gilt wohl auch für das Haus als Maschine: Wer begreift, wie Architektur und Energie zusammenspielen, kann die Technik auch gestalten.


Roger Boltshauser stellte unter anderem sein Laborgebäude für die ETH Zürich vor, dessen kolossale Stützmauer hilft, den grösstenteils unterirdischen Bau zu kühlen und zu wärmen. Auf dem Dach eines Neubau im pittoresken Chigny oberhalb von Morges montierte Dieter Dietz Solarpanele mit einer simplen Klemmkonstruktion, die an aufgestellte Schindeln erinnert. Anna Jessen erzählte aus dem Leben ihres inzwischen berühmten Projekts «AUE»: Jessenvollenweider Architekten hatten 2013 den Wettbewerb des Basler Amts für Umwelt und Energie unter anderem wegen ihres Vorschlags gewonnen, mitten in der historischen Kernstadt eine sichtbare Photovoltaik-Fassade zu wagen. In seiner darauf folgenden Solarzellenrecherche versuchte das Büro, die Technik kompromisslos architektonisch anzuwenden. Sie entwarfen und projektierten ein durch aufgeschnittenes Silizium gold-gelb schimmerndes Panel. Doch die Zeit hat den Entwurf eingeholt: Seit 2013 hat sich der PV-Markt zwar stark, aber einseitig entwickelt, was die Wahl eines passenden Materials einschränkt, statt sie zu öffnen. Die Architekten bleiben dran.


Solaris#2 versammelt Projekte wie diese und zeigt, «was herauskommt, wenn Architektinnen und Architekten unter Technik nicht nur Konstruktion und Tragwerk verstehen, Photovoltaik nicht hinter Farbschichten verstecken, sondern ihre Gebäude prägen lassen», wie der Autor und Redaktor der Heftreihe Axel Simon im Editorial schreibt. Diese Heftreihe will die noch immer meist getrennten Welten von Solartechnik und anspruchsvoller Architektur zusammenbringen. Ein Blick ins 80-köpfige Publikum im schönen Salvisberg-Hörsaal an der ETH Zürich stimmte froh: Dort sassen beide Welten einträchtig beieinander und dachten über unsere gebaute Zukunft nach.

 

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