Unter dem neuen skulpturalen Flügel fliesst der Park in den Innenhof und umgekehrt. Fotos: Roman Keller

Skulpturale Nostalgie

Als ein Haus voller Erwartungen, aber noch leer. So bezeichnete der Architekt Emanuel Christ den Neubau des Landesmuseums in Zürich an der Jahresmedienkonferenz. Ein erster Rundgang zeigt: Viel Beton, dramatische Raumfolgen, eine aufgeregte Decke und ein Haufen intellektuelle Interpretationen der Altbauarchitektur.

Es öffnet zwar erst am 1. August 2016 seine Tore fürs Publikum, aber die Versprechen, die an der Jahresmedienkonferenz des Landesmuseums abgegeben wurden und die Erwartungen, welche die Räume des neuen Anbaus schüren, sind verlockend und gross. Der graugrüne Neubau von Christ & Gantenbein Architekten ist endlich ausgerüstet. Er ist fast schon unbemerkt – weil ausserhalb der städtischen Blickachsen – gewachsen und präsentiert sich heute ziemlich monumental. Architektonisch besteht die Anlage aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen: dem feingliedrigen historistischen Altbau, als offene U-Figur konzipiert, und dem neuen skulpturalen Flügel, der die bestehende Anlage schliesst und so einen Rundgang durch Alt und Neu ermöglicht. Alt und neu ist das Thema, das die Architekten auf unterschiedlichen Ebenen spielen. Am Rundgang präsentieren sich die neuen Räume noch leer, in den nächsten Wochen werden die Ausstellungen «Europa in der Renaissance Metamorphosen 1400 –1600» und «Archäologie Schweiz» eingerichtet. Wie die Ausstellungen und die einzelnen Objekte in den derzeit noch leeren Flächen wirken werden, ist schwer vorzustellen. Konkret ist allerdings die Stimmung der neuen Räume zu beschreiben: Sind mal luftig hoch, mal drückend tief, keine Wand ist parallel zur anderen, glatte fliessende Flächen. Die 80 Zentimeter dicken Aussenwände strahlen Ruhe und Behäbigkeit aus, der Boden ist geschliffener Beton – eine Interpretation der dekorativen Terrazzoböden des Altbaus. Polarisieren tut die Decke, beziehungsweise die offen darunter geführten Leitungen: unter grauen Spaghettiplatten hängen meterlange Lüftungs- und Medienkanäle, Licht- und Objektschienen. Ein wildes Durcheinander, das die Ruhe und Eleganz der Räume empfindlich stört für die Einen – das Salz, das die polygonalen Raumgeometrie erst spürbar macht, für die Anderen. Für Museumsdirektor ...
Skulpturale Nostalgie

Als ein Haus voller Erwartungen, aber noch leer. So bezeichnete der Architekt Emanuel Christ den Neubau des Landesmuseums in Zürich an der Jahresmedienkonferenz. Ein erster Rundgang zeigt: Viel Beton, dramatische Raumfolgen, eine aufgeregte Decke und ein Haufen intellektuelle Interpretationen der Altbauarchitektur.

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