Chaotische Baustelle, unbezahlte Rechnungen, Rechtsstreit: Es gibt viel Ärger mit dem markanten Waldhaus Neuguet in Wallisellen.

Schwerer Streit zwischen Halter und Steiner

Die Wohnüberbauung Waldhaus Neugut in Wallisellen steht unter keinem guten Stern. Halter als Bauherrin und Steiner als Totalunternehmerin streiten heftig.

Waldhaus klingt einen Tick zu idyllisch: Die Wohnüberbauung auf dem Zwicky-Areal umfasst 107 Wohnungen, davon rund 40 Miet- und 60 Eigentumswohnungen. Entworfen haben die imposante, knapp fünfzig Meter hohe Wohn-Wand mit den markanten Schwüngen Ramser Schmid Architekten. Bauherrin ist die Firma Halter, Totalunternehmerin die Firma Steiner, und diese beiden Grossen streiten seit langem über das gemeinsame Grossprojekt.

Nun erreicht der Streit eine neue Stufe. Steiner hat kürzlich das Stockwerkeigentum mit Bauhandwerkerpfanden belastet. Damit zieht die Totalunternehmerin die Stockwerkeigentümerinnen in ihren Streit mit der Bauherrin Halter hinein. Diese schrieb gestern in einer Medienmitteilung, dieses Vorgehen von Steiner sei nicht üblich in der Branche und Steiner habe als Totalunternehmer, der selbst keine Bauhandwerkerleistungen erbringe, keinen solchen Rechtsanspruch. Im Tages-Anzeiger kontert Karsten Hell, CEO von Steiner. Halter habe im März, zehn Tage nach der Abnahme des Projekts, ungerechtfertigt die Erfüllungsgarantie beansprucht und verweigere seit Juli 2019 jegliche Zahlungen.

Im Juli 2016 hatten Halter und Steiner den Pauschalvertrag für das Wohnhaus abgeschlossen, im Dezember 2018 sollte es fertig sein. Laut Halter habe sich Steiner aber «auf zwei Punkte fokussiert: einerseits über mehrere Angebotsrunden die günstigsten Subunternehmer zu beauftragen und andererseits gegenüber der Halter AG Nachtragsforderungen zum vereinbarten Pauschalpreis zu finden.» Die Planung sei schleppend oder gar nicht erfolgt und die Verantwortung auf die jeweis günstigsten Subunternehmer gestützt worden. Zwei Monate vor dem ursprünglichen Termin wurde dieser um ein halbes Jahr verschoben, schliesslich konnten die letzten Käufer ihre Wohnungen erst im Dezember 2019 beziehen laut Halter. Dies sei so kurzfristig kommuniziert worden, dass Halter für 200 Personen eine Wohnungs-Zwischenlösung habe organisieren und finanzieren müssen. Bis heute lägen wesentliche Mängel vor sowie mehrere tausend weitere Mängel. Sieben Wohnungen sind wegen eines Wasserschadens wieder unbewohnbar.

Die beiden Grossen schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Der Tages-Anzeiger hat die Entwicklung mehrfach recherchiert. Im aktuellen Artikel sagt Halter-CEO Markus Mettler, es sei ein Fehler gewesen, Steiner mit dem Bau zu beauftragen. Steiner sei mit dem Projekt offensichtlich überfordert. «Die von Halter geleistete Vorarbeit hat in Umfang und Qualität nicht den Mindeststandards entsprochen, obwohl dies zu erwarten gewesen wäre», kontert Karsten Hell. Beide Firmen stellen sich auf einen langen Rechtsstreit ein.

Leidtragende sind einerseits Steiners Subunternehmer, die auf unbezahlter Arbeit im Wert von Hunderttausenden von Franken sitzen. Andererseits die Bewohnerinnen und Bewohner: Die Eigentümer unter ihnen werden wegen der Pfandforderungen nun direkt involviert, und alle zusammen werden wohl noch lange darauf warten müssen, dass ihr Haus ganz fertig wird.

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