Robert Obrist, Schulhaus Untervaz, 1984 Fotos: Jaromir Kreiliger

Robert Obrist im Bergell

Im Bergell gibt’s eine Ausstellung von Robert Obrists Werk. Der Fotograf Jaromir Kreiliger sieht den verstorbenen Planer und Architekten überraschend und eigensinnig.

 

Vor etwas mehr als einem Jahr ist Robert Obrist, der Architekt und Raumplaner gestorben. Einen «citoyen d’architecture» habe ich ihn in meinem Nachruf genannt. Denn Obrist war kein vor sich hin werkelnder Baukünstler, sondern ein politisch gesinnter und tätiger Mensch, der sich für die öffentlichen Dinge mitverantwortlich fühlte und das Bauen als kulturelle Verpflichtung verstand. Ein begabter Architekt zudem, der sich auch in einem Gebiet betätigte, das heutige Architekten lieber den Geografen überlassen: der Raumplanung. In seiner Wahlheimat Graubünden hat er bedeutende Bauwerke hinterlassen – das brutalistische Atelierhaus an der Via Aruons in St. Moritz etwa, die scharfkantige Frauenschule in Chur oder das skulpturale Gemeindehaus in Filisur; alle konzeptionell gut geraten mit eindeutiger Form und städtebaulichem Verstand. Und Obrist hat mit einer Vielzahl von Orts- und Regionalplanungen auch das Planungsgeschehen Graubündens massgeblich geprägt.

Kreiligers Bilder

Ludmila Seifert vom Bündner Heimatschutz, dessen kritisches und solidarisches Mitglied Obrist viele Jahr war, hat ihn mit einer behutsamen, schönen Ausstellung gewürdigt – Robert, schwer krank, wusste von deren Werden, aber er konnte nicht mehr sehen wie der junge Fotograf Jaromir Kreiliger sein Werk fotografiert. Eigensinnige Bilder, dunkel, geheimnisvoll die einen, verspielt, hell, fröhlich die andern. Der zeitgenössischen Kunst zeitlebens aufgeschlossen, hätte er Jaromir - «du jungä Maa» – in sein Herz geschlossen, auch wenn er eher der klassischen Sachfotografie anhing. Kreilgers Arbeit war letzten Sommer am «Tag der Baukultur» in Chur zu sehen. Jetzt ist die Ausstellung wieder aufgebaut im Postautowarte-Häuschen von Bruno Giacometti und in der Kirche San Trinità in Castasegna und in der Stüa Grande in Soglio. Zwischen den zwei Orten liegt Brentan, in deren Matten mit Kastanienbäumen Robert und Heidi Obrist ihre Cascina hatten, ein zu einem Häuschen umgebaute Kastanienräucherei – nur in der Wüste zu Fuss unterwegs war Röbi lieber als dort unten im Wald. 
 

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