Der Werbung neuster Streich: Verschandelung am Stadelhofen.

Prostitution der Bahnhöfe

Dass die SBB an allen möglichen und längst auch an den unmöglichen Orten in ihren Bahnhöfen Werbung platzieren, das ist hinlänglich bekannt. Nun hat die Werbung eine weitere Stufe der Unverfrorenheit erreicht.

Dass die SBB an allen möglichen und längst auch an den unmöglichen Orten in ihren Bahnhöfen Werbung platzieren, das ist hinlänglich bekannt. «Die Grenze ist erreicht», meinte der damalige Bereichsleiter Rail-City bei SBB-Immobilien in der Titelgeschichte von HP 3/05. Schön wär's gewesen. Seither spriesste die Werbung fleissig weiter. Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber dem öffentlichen Raum, gegenüber der Architektur und gegenüber den Passagieren - also ihren eigenen Kunden. 

 

Nach der unsäglichen Bekleisterung der Rolltreppen in Bern und Zürich (Bild 2) hat die Werbung nun eine weitere Stufe der Unverfrorenheit erreicht. Im Bahnhof Zürich-Stadelhofen – immerhin der architektonisch bedeutendste Bahnhofneubau der Schweiz seit 1945 – ist seit dem Wochenende ein dreiteiliges Werbebanner zwischen die schrägen Stützen gespannt. Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts hatte die SBB mit viel Aufwand und Sorgfalt ihre heruntergekommenen Bahnhöfe zu angenehmen öffentlichen Räumen umgestaltet. Mit Erfolg. Mit Schildbürgerstreichen wie dem Werbebanner am Stadelhofen, Grossplakaten in historischen Hallen oder der Zupflasterung der Rolltreppen geht sie nun in die entgegengesetzte Richtung. 

Kommentare

Thomas P. 13.12.2011 18:26
Wenn sich jeder Pendler beim Warten auf die S-Bahn kurz an diese hässlichen Banner hängt, müssten sie sich doch recht bald aus der Verankerung lösen...
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Ich kann das Bild nicht lesen