Pionier für eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe: der Gebäudetechniker Hansjürg Leibundgut.

Prinzip Hoffnung

«Wir brauchen Pioniere!», sagt Bertrand Piccard. Am 28. Oktober zeigt Hochparterre im Zürcher Kino Riffraff einen Film, der James Ehrlich, Hansjürg Leibundgut und Piccard begleitet.

Es beginnt mit den leuchtenden Augen von Bertrand Piccard. «Wir brauchen Pioniere!», sagt der Weltumflieger und Botschafter sauberer Energie. Schnitt. Nun treten die Pioniere auf, die der Film zwei Jahre lang begleiten wird. Da wäre zunächst Hansjürg Leibundgut, der Zürcher Kämpfer für eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe. Als Gebäudetechniker tüftelte er an einem System, das die Sommerwärme für den Winter im Boden speichert. Doch der Kämpfer strauchelt, hat Krebs. Sein Doktorand Niklaus Haller übernimmt. Man sieht ihn ein Solardach zusammenbauen, Preise entgegennehmen und vor Politikern reden: Seine Einzelinitiative will bis 2050 das Heizen mit Gas oder Öl eliminieren. Kopfschütteln im Kantonsrat.

Niklaus Haller (rechts) versucht den Medienstar Bertrand Piccard zu überzeugen.

Pionier Nummer zwei ist James Ehrlich. Der Stanford-Professor ist Erfinder eines Hightech-Ökodorfes für die Selbstversorger der Zukunft. In Kalifornien riechen wir mit ihm Erdbeeren und füttern Fische. In Dänemark trifft er seinen Architekten, in Holland will er hundert autarke Glashäuser auf einen Acker bauten. Der Acker wird bis zum Schluss leer bleiben. Vierzig Reisen nach Europa, vierzig Auf und Ab: Ein Auftritt an der Architekturbiennale in Venedig bringt virale Aufmerksamkeit. Doch von potenziellen Geldgebern kommt selten mehr als skeptische Blicke. Ehrlich sagt: «Auf dem Weg zur Utopie steht der tägliche Kampf mit dem Status quo.»

Plakat zum Film: Zwei Pioniere der sauberen Energie und ihre zwei jungen Unterstützer.

Von Leibundgut kommen die schönsten und nachdenklichsten Sätze des Films. «Wie überzeugt man die Reichen dieser Welt, dass sie ihr Geld nicht mehr in Kohle, Öl oder Gas investieren, sondern in etwas, das sie nicht verstehen? In so etwas Unsicheres und Schwaches wie Sonnenenergie?» Doch die Schwäche sei eben gerade der Vorteil dieser Energieform: Sie mache nichts kaputt, erklärt der kranke Kämpfer.

«Man sagt, ich sei besessen», sagt Leibundgut. «Manche Leute sagen, ich sei verrückt», sagt Ehrlich. Beide scheitern. Und versuchen es immer wieder aufs Neue. Haben Hoffnung. Während Piccard sich wie ein Filmstar feiern lässt, buhlen sie und ihre jungen Mitstreiterinnen und Mitstreiter oft vergeblich um die Aufmerksamkeit der Reichen. Oder um diejenige Piccards. Er ist der Hero des Medienzeitalters, sie sind die tragischen Helden.

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 10/2018 der Zeitschrift Hochparterre.

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