Gemeindehaus Münsterlingen: Preisgekrönt aber undicht. Fotos: Nina Baisch

Preisgekrönt aber undicht

Das Gemeindehaus Münsterlingen, entworfen vom Luzerner Architekturbüro Daniele Marques, wurde im Rahmen von «Gutes Bauen Ostschweiz 2001-2005» ausgezeichnet. Doch das Dach leckt.

Unter den Ostschweizer Auszeichnungen für «Gutes Bauen 2001–2005» war auch das Gemeindehaus Münsterlingen TG. Der vom Luzerner Architekturbüro Daniele Marques entworfene Bau, der auch Werkhof, Feuerwehrdepot und eine Wohnung integriert, duckt sich, abgetreppt, als kompakter Körper in den Hang neben dem ehemaligen Kloster. Die Fassade besteht aus schwarz eingefärbtem Beton, der mit verschieden breiten, rohen Brettern geschalt wurde. Der Kontrast von rohem Äusserem und wohnlichem Ausbau mit Eichenparkett sowie die ortsbauliche Setzung überzeugten damals die Jury.

Schon vor der Fertigstellung 2004 tauchten aber erstmals Probleme mit der Dachentwässerung auf. Bei starkem Regen lief Wasser über die Fassade und verursachte Probleme bei den Torantrieben und Schlössern. Die Abläufe verstopften rasch. Mit Notentwässerungsschlitzen versuchte man das Problem zu lösen – ohne nachhaltigen Erfolg. 2012 stürzte in einem Büro eine Gipsdecke auf den Boden und Untersuchungen zeigten kleine Wasserschäden an einzelnen Decken. Es kam zu Stromunterbrüchen und verzogene Türrahmen lösten nächtliche Fehlalarme aus. Eine Expertise stellte fest, dass die Entwässerung zu klein dimensioniert ist und die Abdichtung des Blechdachs undicht ist. Ausserdem fehle die bauphysikalisch nötige Masse, deshalb werde es im Sommer in den Büros bis zu 36 Grad warm.

Nach verschiedenen Gesprächen verlor die Gemeinde das Vertrauen ins Architekturbüro Marques und liess von einem Ostschweizer Planungsbüro ein Sanierungsprojekt ausarbeiten. Die Gemeindeversammlung bewilligte dafür Anfang Juni einen Kredit von 883'000 Franken. Konventionelle Dachrinnen, neue Steigstränge, eine neue Isolation und ein Kautschuk-Industriedach sollen Abhilfe schaffen. Gleichzeitig werden eine Absturzsicherung und Befestigungsmöglichkeiten für eine spätere Photovoltaikanlage erstellt. Ob die Gemeinde Regress nehmen kann auf das Architekturbüro und die damaligen Unternehmer, ist offen: «Die Sach- und Faktenlage ist kompliziert und nicht eindeutig». wurde an der Gemeindeversammlung gesagt, denn beim Bau gab es kein Generalunternehmen.

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