«Mauersegler» Flims/Conn von Corinna Menn

Neun Bündner Baukünstler

In der Stadtgalerie von Chur versammelt Daniel Walser neun Architekturbüros aus Graubünden. Den Bestand sorgsam ergänzen und markante Zeichen setzen sind die Anliegen der durchwegs jüngeren Baukünstlerinnen und –künstler.

Eine vielfältige Gruppe Architekten hat in den letzten 30 Jahren die Kultur des zeitgenössischen Bauens in Graubünden geprägt. Weltberühmtheiten wie Peter Zumthor oder Valerio Olgiati, auch im Unter- und Ausland erfolgreiche Architekten wie Bearth & Deplazes oder Conradin Clavuot, subtile Könner wie Pablo Horvath oder Dieter Jüngling und Andreas Hagmann. Wer aber tut was in der jüngeren Generation? Eine Antwort präsentiert Daniel Walser in der Churer Stadtgalerie. Neun Büros hat er eingeladen, auf kleinem Raum an der Wand und auf Tischen ihre Arbeit in «Zwischen – Formen. Wenn Haltung Raum bildet» zu zeigen: Men Duri Arquint; Capaul & Blumenthal; Angela Deuber; Gujan & Pally; Iseppi & Kurath; Michael Hemmi; Corinna Menn; Jon Ritter und Raphael Zuber.

«Haltung» ist zwar ein antiquiertes Wort, es fasst aber die neun Beiträge gut zusammen. «Haltung» ist in Chur vorab einmal die Behauptung einer Differenz zum allgemeinen Bauen, das auch im Kanton Graubünden haltungslos im Dienst allein der Bauwirtschafterei steht. «Haltung» will hier Einhalt – er weist in zwei Richtungen. Fünf Beiträge befassen sich schwergewichtig mit Reparatur, ja Restauration von Bestand. Es berührt, wie akribisch Michael Hemmi (einst zusammen mit Michele Vasella) alte Häuser ertüchtigt oder mit wie viel bodenständigem Geschick Marlene Guja und Conrad Pally Bauten um- und neunutzen.
Drei Beiträge setzen neue Zeichen: Allen voran Raphael Zuber mit seinem Solitär für den Kindergarten von Grono und Corinna Menn mit ihren zusammen mit Ingenieuren ausgetüftelten Häsuern, die nebst dem landschaftlichen und örtlichen Kontext das Metier der Architektin als Konstrukteurin hochleben lassen.
«Haltung» zeigen denn auch in den Darstellungsformen: Corinna Menn stellt auf einem Plakat ihre komplexen Recherchen in einer Matrix vor, Zuber macht mit reduzierten Grundrissen Ideogramme, die aussehen wie Ikonen, Michael Hemmi, der subtile Restaurator, zeichnet seine Pläne von Hand und Ivano Iseppi und Stefan Kurath schliesslich stellen ihre «Haltung» wortreich in einem Manifest vor.

Der Kurator Daniel Walser ist Dozent an der Hochschule für Architektur und Wirtschaft in Chur. Einige der Architekten gingen dort zur Schule, lehrten oder lehren dort. Nach erheblichen Erschütterungen dank des Neubaus der Fachhochschule Schweiz hörte man nicht mehr viel von der Architektenausbildung an der HTW – die Ausstellung ist ein Zeichen dafür, das sich das ändert. Die HTW ist auf gutem Weg wieder mitzuwirken im Diskurs um die Baukultur in Graubünden und den Alpen. Gut so.

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