Anne-Catherine Imhoff und Maja Bauer-Balmelli, die Gründerinnen von Wipswiss Fotos: PD

Netzwerk für Frauen gegründet

Gestern war in Zürich Eröffnungsabend von Wipswiss. Der Verein «Women in Property Switzerland» will Frauen in der Immobilienwirtschaft vernetzen. Das ist auch dringend nötig.

Im Jahr 2013 präsentierte das «Who’s who» der Zeitschrift Immobilienbusiness 100 Köpfe – darunter zwei Frauen. Aus dem Architekturstudium und aus Real Estate-Weiterbildungen gelangen zwar zahlreiche Frauen in diese Branche, doch offensichtlich kommen sie nicht in oberen Karriereetagen an. Die Decke scheint nicht gläsern, sondern betoniert. So kann es nicht weiter gehen, befanden Anne-Cathrine Imhoff und Maja Bauer-Balmelli, Anwältinnen im Immobilien- und Steuerrecht und Partnerinnen der Zürcher Kanzlei Pestalozzi Rechtsanwälte. Imhoff und Bauer gründeten darum Wipswiss, der Verein Women in Property Switzerland, der Frauen in der Immobilienwirtschaft vernetzen will.

Gründung gestern in Zürich

Gestern war in Zürich Eröffnungsabend und gut 120 Frauen folgten der Einladung. Die Nationalräte Doris Fiala und Hans Egloff brachten stärkende Grussworte. Anschliessend leitete Karin Frei eine Podiumsdiskussion zum Thema «Weniger Boden, mehr Raum – Wohnen und arbeiten in der Zukunft». Der Architekt Andreas Hofer, die Unternehmerin Annette Lenzlinger, die Architektin Tilla Theus und der Immobilienexperte Jan Eckert argumentierten zu Verdichtung, Kosten und Nachhaltigkeit. Ausgerechnet Eckert, der Mann mit dem wohl höchsten Salär in der Runde, beklagte, an den teuren Lagen Zürichs liesse sich nichts mehr verdienen, was Architekt Hofer träf konterte: «Kein Wunder, die Entwicklerbranche spekuliert die Preise selbst in die Höhe, weil alle fantasielos an den teuren Lagen kleben. Der Kreis 5 ist heute langweilig. Agglomerationen und Mittelzentren sind die neuen spannenden Orte!» Unternehmerin Annette Lenzlinger schilderte – ohne jammernden Unterton – die Nöte ihres Unternehmens beim Bau neuer Produktionsstätten: «Wegen unserer hohen Standards bauen wir 60 Prozent teurer als die deutsche Konkurrenz.» Auch das verschärfte Subunternehmerrecht kritisierte sie: «Der Aufwand für die Unternehmer ist riesig, während die Bauherrschaften ungeschoren davon kommen – obwohl sie die tiefen Löhne mitverursachen, weil sie stets das billigste Angebot wählen.» Hofer stimmte zu, bei Grossbaustellen sei er aber dennoch froh um die Verschärfung, die zumindest eine bessere Kontrolle ermögliche mit dem Zwang zu Badges und Zugangskontrollen.

Allgemein statt konkret

So kurzweilig und kontrovers die Diskussion war – sie hätte zu jeder anderen Gelegenheit stattfinden können. Dagegen fehlten Programm, Strategie und konkrete Taten des neuen Vereins noch weitgehend. Laut den Initiantinnen will Wipswiss ein Mentoring für seine Mitglieder aufbauen, mit Hochschulen vergünstigte Ausbildungen aushandeln und Netzwerk-Anlässe ausrichten. Das klingt alles gut, aber warum nicht gleich am Eröffnungsabend damit beginnen? Zum Beispiel, indem die drei erfolgreichsten Frauen im Business eingeladen und interviewt werden? Zum Beispiel, in dem die 120 Frauen in einer offenen Runde eigene Ideen und Überlegungen einbringen können? Zum Beispiel, indem sie sich gleich als Mentees bewerben können bei bereit stehenden Mentorinnen?

Gut, gibt es Wipswiss

Solche konkreten Angebote hätten den 120 Frauen vermutlich den Einstieg in den Verein erleichtert. Denn der Mitgliederbeitrag von 300.- Franken im Jahr ist happig, besonders für Nachwuchsfrauen. Dazu zählten aber die meisten gestern abend, zumindest geschätzt nach Blicken in die Runde. Belegen liess es sich nicht, denn auf der Liste der Teilnehmerinnen fehlten Angaben zu Positionen. Dies wäre aber gerade fürs Netzwerken wichtig. Eine Überlegung wert wäre es auch, die Mitgliederbeiträge abzustufen, zum Beispiel nach Einkommen. Schliesslich ist es zwar dankenswert, dass im Vorstand drei von sechs Frauen aus der Kanzlei Pestalozzi stammen und diese also viel Zeit und Geld in den Aufbau des Vereins steckt. Seiner Stabilität täte es aber gut, den Vorstand mit der Zeit auf breitere Kompetenzen abzustützen.

Fazit: An Programm und Taten kann und wird der Verein noch zulegen. Aber es ist gut, gibt es ihn. Denn wo Frauen alleine nicht weiterkommen, wie offensichtlich in der Immobilienwelt, stärken sie sich am besten gegenseitig.

www.wipswiss.ch

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Kommentare

Melanie 26.01.2014 22:17
Hip-Swiss?
Melanie 26.01.2014 22:27
ps., als Sponsor: Ledermann-Immobilien AG?? http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Wie-Immobilienhaie-im-Seefeld-jagen/story/11357198 Nur weil Frauen mit Immobilienhaien zusammenspannen, wirds plötzlich sozialverträglich und nachhaltig? Autsch.
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Ich kann das Bild nicht lesen