Vom Erdgeschoss der Halle fällt der Blick durch hohe Bogenfenster über die Terrasse und den Park auf den Lac Léman. Fotos: Michel Bonvin

Modisch geweisselt

Lange war der als klassizistisches Casino erstellte Bau im Lausanner Montbenon-Park verbaut und introvertiert. Cotting Jossen Architekten öffneten den eindrücklichen Saal und verwandelten ihn mit präzisen Eingriffen in eine moderne Brasserie.

Unter dem luftigen Gewölbe stehend fällt der Blick durch die hohen Bogenfenster, schweift über die Terrasse und den Montbenon-Park zum Lac Léman hinab. Heute ist schwer vorstellbar, wie verbaut und introvertiert der eindrückliche Raum kürzlich noch war. 1908 hatte Architekt M. H. Meyer das klassizistische Casino erstellt, das zunächst Restaurant, Konzertsaal und Fechthalle war. In den 1980er-Jahren wurde ‹le grand hall› ein Nachtclub – als cremig-lachsfarbene bis himmelblaue Kitschlandschaft mit abgestuften Podesten und umlaufender Galerie.2013 entschied die Stadt, im Gebäude eine Brasserie einzurichten. Gemeinsam mit den Pächtern überzeugten die jungen Architektinnen Cotting Jossen mit einem klaren Konzept für Betrieb und Architektur, das behutsame Instandsetzung und präzise Eingriffe verbindet.Die seitlich abgetrennte und mittig gezackt eingeschnittene Galerie mit grüngrauem Stahlgeländer überdeckt heute den Barbereich und wenige Tische. Ein paar Stufen führen hinab auf die originale Bodenhöhe. Eben noch im gedrängten Eingangsbereich, steht der Besucher nun im prächtig überkuppelten Saal. Die offene Halle ist atmosphärisch erstaunlich vielseitig. Die kleinen Tische unter der Galerie ziehen Besucher an, die sich zurückziehen möchten. Davor dient die lange Tafel geselligem Trubel. Die Plätze vor den hohen Fenstern lenken den Blick nach draussen. Und im hohen Zentrum sitzt man in intimen Nischen. Farblich und materiell bedient die Brasserie das Klischee moderner Etablissements in alten Mauern. Zwei Stuhlmodelle tragen den gleichen Grauton, die Fliesen im Barbereich bilden ein grauweisses Muster. Über dem Holzboden wölbt sich die Kuppel in Weiss. Cotting Jossen verwarfen sowohl den Farbkitsch der 1980er als auch die originalen Beigetöne mit farbigen Früchten und Blattgold. Die Kuppelrippen und die Füllflächen in leicht dunklerem Ton strahlen hell. In die...
Modisch geweisselt

Lange war der als klassizistisches Casino erstellte Bau im Lausanner Montbenon-Park verbaut und introvertiert. Cotting Jossen Architekten öffneten den eindrücklichen Saal und verwandelten ihn mit präzisen Eingriffen in eine moderne Brasserie.

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