Luigi Snozzi im Interview 2012

Luigi Snozzi ist gestorben

Luigi Snozzi hat uns gelehrt, wie einfach Architektur sein kann. Gestern ist er 88-jährig gestorben.

Vor acht Jahren, kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag, führte ich ein Interview mit Luigi Snozzi. Immer gegen die Natur müsse man bauen, sagte er. Gegen die Natur? Wo doch die betonierte Terrassenwand der Casa Kalman – eines seiner bekanntesten Häuser – der Topografie angepasst ist, also der Natur folgt, fragte ich nach. Ohne zu überlegen, antwortete er: «So etwas darf ein Architekt nicht machen – oder sagen wir, erst wenn er über fünfzig Jahre alt ist.» In einem solchen Fall müsse man einen Gegenpol schaffen. Darum sei die Vorderkante der Terrasse eine gerade Mauer, die den runden Hügel zerschneide. Es brauche dieses Gegenüber.

Luigi Snozzi hat uns gelehrt, wie einfach Architektur sein kann. Die eine Wand ist gebogen, die andere schnurgerade. Entstanden ist die schönste Terrasse im Tessin. Das liegt natürlich nicht nur an den zwei Wänden. Er packte alle Architekturthemen, von der Stadt bis zur Konstruktion, in jedes noch so kleine Haus. Wie lautete einer seiner 25 berühmten Aphorismen zur Architektur? «Jeder Eingriff setzt eine Zerstörung voraus, zerstöre mit Verstand und mit Freude!» Ja, er lag immer zeitlos richtig. Darum  gibt es keinen Architekten, der so viel Einfluss auf die Architektur hat, obwohl er so wenig gebaut hat. Luigi Snozzi lebte schon längere Zeit in einem Altersheim in Minusio. Im Frühling konnte er ein Gespräch nicht mehr alleine führen, weshalb Hochparterre ein geplantes Interview absagte. Nun ist er gestern morgen im Alter von 88 Jahren an Covid-19 gestorben. Er liebte das Paradoxe. Luigi Snozzi ist gestorben, Luigi Snozzi lebt weiter.

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Kommentare

hansfischerliu 30.12.2020 11:17
addio luigi...............hansfischerliu
Christoph haidacher 02.01.2021 12:52
... es lebe der Widerstand!
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Ich kann das Bild nicht lesen