Der Betonpreis ging unter anderem an das Zweifamilienhaus Casa ai Pozzi in Minusio. Fotos: Architekturpreis Beton 13, Giuseppe Micciché

Leserbrief: Kritik am Betonpreis

Kürzlich sind die Preisträger des Betonpreises 13 verkündet worden. Diese Auszeichnung der Zementindustrie erfährt scharfe und grundsätzliche Kritik in einem Leserbrief des Architekten Heinrich Matthias aus Zürich.

Kürzlich sind die Preisträger des Betonpreises 13 verkündet worden. Diese Auszeichnung der Zementindustrie, die nebst einem grossen Verwaltungsgebäude auch Einfamilienhäuser bedacht hat, erfährt scharfe und grundsätzliche Kritik in einem Leserbrief des Architekten Heinrich Matthias aus Zürich.
Es ist längstens allen bekannt, dass die Zersiedelung in der Schweiz immer weiter fortschreitet und dadurch die Kultur dieses Landes regelrecht verschandelt, was wirtschaftlich bereits Folgen zeigt, welche mittel- bis langfristig vor allem negative Effekte hervorrufen werden. Im Kontext gesehen, geschieht diese Zersiedelung unabhängig ob die einzelnen Objekte von guter oder schlechter Architektur sind, beide sind ausgedehnte Gebilde und somit gleichgewichtig dafür verantwortlich. Es erstaunt deshalb, dass weiterhin Einfamilienhäuser, und autistische Gebilde wie das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen, welche der Urgrund der Zersiedelung sind, weiterhin prämiert werden und dies durch Lehrpersonen von Hochschulen, wo eigentlich nebst dem Handwerk, auch Verantwortung gegenüber dem Kontext und somit der Gesellschaft, welche diese finanziert, gelehrt werden sollte. Vergleichbar ist die Mentalität der Architekturszene mit derjenige der Ingenieure und Verkäufer von strukturierten Finanzprodukten, wo im gleichen Gefäss sowohl «short und long» spekuliert wird, handwerklich im Detail raffiniert gelöst – im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext gesehen, dagegen eine Katastrophe.

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