Visualisierung des Carnal Dôme bei Nacht (Bild: Bernard Tschumi Architects) Fotos: Meili Peter Architekten / Rudy Ricciotti / Bernhard Tschumi

Konzerthäuser auf der grünen Wiese

Hochkarätige Philharmonien werden nicht nur im Ausland gebaut. Auch in der Schweiz entwerfen international bekannte Architekten Musik- und Konzerthäuser – immer öfter auf der grünen Wiese.

Hochkarätige Philharmonien werden nicht nur im Ausland gebaut. Auch in der Schweiz entwerfen international bekannte Architekten Musik- und Konzerthäuser ähnlichen Ausmasses – immer öfter auf der grünen Wiese. Das Westschweizer Magazin «L‘Hebdo» hat letzte Woche drei Projekte vorgestellt: «Le Carnal Dôme» von Bernard Tschumi für die Privatschule Le Rosey in Rolle (VD), das Kulturzentrum «Les Arts Gstaad» im Berner Oberland vom Franzosen Rudy Ricciotti und das Klanghaus Toggenburg, das von den Zürcher Architekten Marcel Meili und Markus Peter umgesetzt wird.

Le Carnal Dôme in Rolle
Das traditionsreiche Institut Le Rosey in Rolle plant Grosses und vor allem Komplexes: Mit einem Konzertsaal mit 800 Plätzen, einem Theater, mit Konferenzsälen und einem Learning Center soll der Gebäudekomplex unterschiedlichen Nutzungszwecken gerecht werden. Um diese Bereiche zu verbinden, liess sich der mit dem Projekt betraute Schweizer Architekt Bernhard Tschumi eine Art schwebende Untertasse mit einer Stahlkuppel einfallen. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für 2013 geplant. «Unterliegt der Bau eines Musikhauses grösseren Zwängen als jener eines Museums», fragte das Wochenmagazin den Architekten. «Vielleicht schon», meint Tschumi. Weil der Architekt stärker mit den Gefühlen des Zuschauers konfrontiert sei, als dies bei der visuellen Kunst geschehe.

Les Art Gstaad

In Gstaad in Berner Oberland wird das Kulturzentrum mit Konzertsaal für 1400 Personen auf die grüne Wiese zu stehen kommen Die Eröffnung ist für 2015 geplant, das Gebäude soll zukünftig das Zelt des Menuhin Festivals ersetzen. Der Wettbewerbsgewinner heisst Rudy Ricciotti. Der Franzose machte sich bereits mit dem Bau von zahlreichen Konzertsälen und Museen in Frankreich, Italien und Deutschland einen Namen. Für Gstaad entwarf einen wellenförmigen, in Holz verkleideten Komplex, der sich sanft in die Landschaft einfügt. Mit «Zurückhaltung, Sorgfalt und ohne kulturellen Imperialismus» wolle er die Aufgabe angehen. Ein grosser Teil des Gebäudes wird sich unterirdisch befinden, aus Respekt vor der ortsüblichen Gebäudehöhe und um einen ökonomischen Umgang mit dem Boden zu gewährleisten. «Das Auditorium wird somit der einzig herausragende Teil des Gebäudes sein», so Ricciotti, «ein bisschen wie die Spitze des Eisberges».

Klanghaus Toggenburg

Der Entwurf der Zürcher Architekten Marcel Meili und Markus Peter – sie gingen als Gewinner der vom Kanton St. Gallen ausgeschriebenen Thesenkonkurrenz (hpw 4/2010) hervor – zeigt einen Baukörper, der gänzlich aus Holz ist und aus drei Flügeln besteht, deren äussere Enden verschiedene Aspekte der Landschaft aufgreifen. Das Klanghaus Toggenburg soll Begegnungsort und Wirkungsstätte für Alphornbläser, Naturjodler und für andere Interpreten traditioneller Volksmusik werden. Parabolantennen dienen als Referenz für die geschwungenen Wände. Bei musikalischen Auftritten im Freien ermöglichen sie den Interpreten einen Einbezug der natürlichen Umgebung und ihrer Klänge. «Es ging mir nicht primär darum, eindeutig identifizierbare Stimmungen oder optimale akustische Bedingungen zu schaffen. Vielmehr haben wir uns eine reichhaltige klangliche Topografie vorgestellt, die unabhängig und autonom ist, und die von den Musikern erforscht und entdeckt werden soll», erklärt Marcel Meili gegenüber «L’Hebdo». 

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