OASE #92: codes and continuities Fotos: ZvG

Kontinuität und Handwerk

Die 92. Ausgabe des englisch-niederländischen Architekturmagazins OASE widmet sich dem «Schattenkanon» der Moderne. Unter dem Titel ‹codes and continuities› schreiben praktizierende Architekten über Bauwerke von unorthodoxen Modernen wie Asnago e Vender, Kay Fisker, Josef Frank, Fernand Pouillon oder Josef Wiedemann.

Kontinuität und Handwerk. Diesen Themen widmet sich Giorgio Grassi 1980 im Essay ‹Avant-Garde und Kontinuität›. Es ist – neben Hermann Czech's ‹Der Umbau› (1996) und Nuño Portas ‹The Search for a Language› (1986) – der druckfrischen Ausgabe 92 des Architekturmagazins OASE vorangestellt. Grassi beschreibt eine Avantgarde, die «falsche Probleme lösen möchte» und fordert eine Rückkehr zur «historischen Erfahrung» der Architektur als rationales und «praktisches Kulturschaffen». Die Sprache der Architektur müsse «zugänglich» sein, denn: «Architektur ist eine 'öffentliche Angelegenheit' par excellence.»34 Jahre später durchziehen dieselben Kernthemen, Handwerk und Kontinuität, die gesamte OASE-Ausgabe. Unter dem Titel ‹codes and continuities› versammelt sie eine Fotostrecke und 16 Textbeiträge. Diese widmen sich meist konkreten Bauten von Architekten, die Vittorio Magnago Lampugnani dem «Schattenkanon» zuordnet. Wie die Redaktion im Editorial erklärt, artikulierten sich die Protagonisten der alternativen Modernen nur selten so wortgewaltig wie die orthodoxen Grossmeister. Daher liege «die Essenz ihrer Perspektiven und Haltungen in den konkreten typologischen, kompositorischen und materiellen Artikulationen ihrer Projekte».Wer die 92. OASE-Ausgabe verstehen möchte, muss nicht jeden Text lesen. Gewiss jedoch das auf Czech, Grassi und Portas folgende Essay ‹Tradition, subtile Innovation und das unvermeidlich Moderne› von Vittorio Magnago Lampugnani. Sprachlich elegant deklassiert er den «Neuheitswert» in den Künsten als vergleichsweise junge Erfindung der Romantik. Wer die Architektur als Handwerk verstehe, setze statt Neuheit «Angemessenheit» ins Zentrum des eigenen Schaffens. Lampugnani beschwört die Kraft von «Anpassung, Modifikation, geringfügiger Verbesserung», die das gewissermassen avantgardistisch ruinierte Auge nicht mehr bemer...
Kontinuität und Handwerk

Die 92. Ausgabe des englisch-niederländischen Architekturmagazins OASE widmet sich dem «Schattenkanon» der Moderne. Unter dem Titel ‹codes and continuities› schreiben praktizierende Architekten über Bauwerke von unorthodoxen Modernen wie Asnago e Vender, Kay Fisker, Josef Frank, Fernand Pouillon oder Josef Wiedemann.

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