Die Bautafel des ersten Umbaus im April 1983. Fotos: Werner Huber

Kongresshaus Zürich: ein Blick zurück

Zur Landesausstellung 1939 öffnete das Zürcher Kongresshaus erstmals seine Türen. Die zweite Eröffnung fand im September 1985 statt. Dieser Umbau hatte das Haus tiefgreifend verändert.

«Die Richtung seeaufwärts, nach Südsüdost, ist die beherrschende, die die innere Orientierung und Organisation der Bauten grundlegend bestimmt», schrieb die ‹Schweizerische Bauzeitung› wenige Jahre nach der Einweihung über die städtebauliche Situation des Kongresshauses und der Tonhalle in Zürich. «Als zweite Beziehung ist diejenige nach Nordost zu werten: die Richtung nach dem Bürkliplatz, der mit den Verkehrszentren Paradeplatz und Bellevueplatz in unmittelbarem Zusammenhang steht». Das Gebäude von Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser und Rudolf Steiger nahm die Lage gekonnt auf: Vor die beiden Tonhalle-Säle von Fellner&Helmer, die aus Zeit-, Kosten- und Akustikgründen stehen geblieben waren, stellten die drei Architekten ein verglastes Foyer, im rechten Winkel dazu den Kongresssaal. Im Hof zwischen Foyer und Kongresssaal platzierten sie den eingeschossigen Gartensaal mit Dachterrasse. Durch den Eingang ‹T› wie Tonhalle gelangte man ins alte Vestibül und über eine Treppe nach oben ins zweieinhalbgeschossige Tonhalle-Foyer mit seiner Glasfront zum See. Der Eingang ‹K› führte in das Kongress-Vestibül unter dem Tonhalle-Foyer hindurch zur Treppe ins Kongress-Foyer. Ein Wintergarten auf der Galerie trennte die beiden Foyerteile, die sich im Hauptgeschoss mit einer Schiebewand mit wenigen Handgriffen verbinden liessen. Die damals junge Architektengemeinschaft Haefeli Moser Steiger übte nicht die Beschränkung auf wenige Formen und Materialien, sondern sie zeigte, wie sich aus unterschiedlichen Teilen ein harmonisches Ganzes fügen liess.

Luftaufnahme 1939: das neue Haus am See. Foto: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Während der nächsten vierzig Jahre tat das Kongresshaus seinen Dienst. Die anstehende Sanierung nutzte die Kongresshaus-Stiftung zum Ausbau des Raumprogramms. Peter Steiger, Rudolf Steigers Sohn, zeichnete die Pläne, die das Atelier WW und Göhner umsetzte. Im September 1985 war das sanierte Kongresshaus fertig – mit zwiespältigem Ergebnis: Zwar respektierten die Architekten die vorhandene Gestaltung, verschliffen neue Zutaten mit dem historischen Bestand, aber auf die ursprünglichen Oberflächen und Materialien nahmen sie kaum Rücksicht. Vor allem aber fügten ihre baulichen Eingriffe dem Werk von Hafeli Moser Steiger grossen Schaden zu. So zerstörten der Um- und Aufbau des Gartensaals und der Einbau des Casinos La Boule wichtige architektonische Qualitäten. Der Bau des Nachtclubs Joker unter dem Kammermusiksaal zerstörte nicht nur die räumliche Struktur, sondern erforderte einen Kraftakt aus Beton.

Im Frühjahr 1985 war der Panoramasaal im Rohbau vollendet.

Der fertige Saal mit dem klobigen Dach im Herbst 1985.

Unter dem dunklen Blechpanzer verbarg sich ein filigranes Raumfachwerk.

Eine neue Wand trennte den hinteren Teil des Kongressvestibüls ab und schnitt die Treppe entzwei.

Hinter der Wand lag das Casino La Boule.

Der Kongressaal anlässlich der Wiedereröffnung im September 1985.

General-Guisan-Quai mit beleuchtetem Kongresshaus im Januar 1985.

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