Architekt Max Kasper schuf vor vierzig Jahren die Raumstruktur in Sichtbeton. Jüngling und Hagmann bauten darin ein zeitgemässes Schulhaus ein. Solch grosszügige Räume wären heute kaum mehr möglich. Fotos: Ralph Feiner

Kanti im Jungbrunnen

Alt oder Neu? Beim Rundgang durch die sanierte Bündner Kantonsschule in Chur sitzt diese Frage stets im Hinterkopf. Bis auf den Rohbau haben Jüngling und Hagmann Architekten die Anlage zurück- und anschliessend in die vierzigjährige Struktur ein neues Schulhaus eingebaut.

Vom Abbruch bedroht, erstrahlt das Schulhaus «Halde» in Chur jetzt in neuem Glanz. Eine gelungene Operation! Dabei ist es nicht selbstverständlich, dass das Gebäude überhaupt noch steht. Seit Langem war es ein Sanierungsfall mit undichten Dächern und rostenden Corten-Stahl-Fassaden. Durch die Fenster pfiff der Wind und die Dämmwerte waren so tief wie die Energiekosten hoch; Lehrer und Schülerinnen schlotterten. Zudem waren Korridore und Hallen düstere Höhlen mit wenig Tageslicht und dunklen Materialien an Boden, Wänden und Decken. Rechnete man die Sanierungskosten zusammen und warf auch noch die kritische Einstellung vieler zur Architektur der Sechziger- und Siebzigerjahre in die Waagschale, kamen genügend Argu-mente zusammen, die aus einem Sanierungsfall ein Abbruchobjekt machten. So rechnete auch der Kanton und schlug vor, die Kantonsschule an einem anderen Ort neu zu bauen, das alte Haus umzunutzen oder abzubrechen, das Grundstück allenfalls zu verkaufen. Doch dann schaltete sich der Heimatschutz ein und setzte sich für das Schulhaus ein. Darauf scheiterte der Abbruch im Mai 2004 an der Urne (siehe «Lernen von Chur»).Als der Altbau neu warAlt oder Neu? Auch das Alte war einmal neu: Die Bauten der Kantonsschule entstanden in Etappen zwischen 1968 und 1972 anstelle der alten Kantonsschule. Architekt Max Kasper hatte 1964 als Dreissigjähriger den Wettbewerb gewonnen. Die Schulanlage besteht aus drei Teilen: Der siebengeschossige Klassentrakt schmiegt sich mit dem Rücken an den steilen Hang, davor stehen als Solitäre die Aula mit der Verwaltung und der Naturwissenschaftstrakt. Kaspers Gebäude widerspiegelten die architektonische Entwicklung während der Planungs- und Bauzeit: Die im Innern sichtbare monolithische Betonkonstruktion steht in einer Reihe mit Schulbauten der Sechzigerjahre wie der Hochschule in St. Gallen von Förderer Otto Zwimpfer oder der Oberstufensc...
Kanti im Jungbrunnen

Alt oder Neu? Beim Rundgang durch die sanierte Bündner Kantonsschule in Chur sitzt diese Frage stets im Hinterkopf. Bis auf den Rohbau haben Jüngling und Hagmann Architekten die Anlage zurück- und anschliessend in die vierzigjährige Struktur ein neues Schulhaus eingebaut.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?