Ins Leben hineintasten

Nicht sehen und schwer hören von Geburt an – die ‹Tanne› in Langnau am Albis ist die Stiftung für taubblinde Menschen. Scheibler Villard Architekten haben für sie ein Schul- und Wohnhaus gebaut.

Fotos: Rasmus Norlander

Nicht sehen und schwer hören von Geburt an – die ‹Tanne› in Langnau am Albis ist die Stiftung für taubblinde Menschen. Scheibler Villard Architekten haben für sie ein Schul- und Wohnhaus gebaut.

Die Sonne strahlt ins Zimmer. Seine hellen Holzwände haben im oberen Teil Rillen und Löchlein, die bauschigen Vorhänge bei den Fenstern sind gerafft, ein dunkel geölter Stäbchenparkett schliesst den Boden ab, er ist als Schwingboden so aufgebaut, dass das Zimmer zu einem Resonanzkörper wird. Tamburine, Schlaghölzer und Gitarren stehen herum. Aus dem Lautsprecher wummert Musik mit markanten Bässen. Ein kleines Mädchen liegt auf dem Boden und wiegt hin und her; sein Lehrer kniet neben ihm. Es hört seit Geburt nichts, es sieht nichts, und es kann sich nur schwer bewegen – aber es spürt die Musik, von Wellen durch die Luft und über den Boden getragen. Das Mädchen lernt Töne unterscheiden, es entspannt und spannt sich, es hört Geräusch nicht über die tauben Ohren, sondern über seinen Tastsinn. Und es lernt den Kontakt mit seinem Lehrer. «Sinne öffnen, Dialog ermöglichen», heisst die Schlagzeile auf dem Prospekt der ‹Tanne›, der Stiftung für Taubblinde, die in Langnau am Albis ihr «Kompetenzzentrum» hat «für Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Hörsehbehinderung und verwandten Formen von mehrfacher Sinnesbehinderung». ###Media_1### Schule für die Wahrnehmung Es ist ein reges Kommen und Gehen. Die Kinder und auch die Erwachsenen, die hier Therapien besuchen, sehen und hören wie das Mädchen nichts oder wenig. Einige sind zudem noch anders beeinträchtigt. 45 Erwachsene und 24 Kinder haben ihren Lebensmittelpunkt in der ‹Tanne›. Einige reisen am Wochenende zu ihren Familien, andere besuchen hier tagsüber Therapien und gehen zur Schule. Gewiss können sich alle auf Helferinnen verlassen, aber Ziel ist, dass sie im Haus selbst Weg und Ort finden. Dafür hilft ihnen eine Signaletik, nicht fürs Auge, sondern für den Tastsinn gemacht. An den Wänden im Erdgeschoss sind markante, rautenförmige Reliefs eingelassen, im ersten Geschoss sind d...

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