Klinker prägt die Siedlung Staudenbühl in Zürich-Seebach. Fotos: Stefan Hänni

Im Zeichen des Klinkers

Die kleinen 
Mehrfamilien- und Reihenhäusern der Genossenschaftssiedlung Staudenbühl in Zürich-Seebach genügten heutigen Anforderungen nicht mehr. Die Genossenschaft Gewobag entschied sich für einen Neubau.

Die Genossenschaftssiedlung Staudenbühl in Zürich-Seebach war typisch für ihre Zeit: Erstellt Ende der Vierzigerjahre bestand sie aus kleinen 
Mehrfamilien- und Reihenhäusern mit rund neunzig Wohnungen. Sie genügten heutigen Anforderungen nicht mehr. Die Gewobag – gegründet 1943 als gewerkschaftliche Wohn- und Baugenossenschaft – entschied sich für einen Neubau. In sieben Häusern finden nun hundert Wohnungen, zwei Läden und ein Gemeinschaftsraum Platz. Dass die Anzahl Wohnungen nur um zehn Einheiten höher ist, sich die Geschossfläche jedoch verdoppelt hat, zeigt, wie unsere Ansprüche gestiegen sind.

Die 84 Familienwohnungen von 3 ½ bis 5 ½ Zimmern sind in sieben identischen, aber gegeneinander abgedrehten viergeschossigen Häusern untergebracht. Bei der Bushaltestelle steht ein achtes Haus mit 16 Alterswohnungen und den Ladenlokalen. Die Aufteilung in Punkthäuser verbindet die neue Siedlung mit den eher kleinmassstäblichen Bauten der Nachbarschaft, und der neu angelegte Grünraum geht nahtlos in die mit alten Bäumen bestandene Umgebung über. Das Herz der Siedlung ist der zentrale Platz mit einem Brunnen und einer gedeckten Halle. Von hier aus führen die Wege zu den Häusern und ins Quartier; Schrittplatten im Rasen bilden wie ein Indianerpfad ein sekundäres Wegnetz.

Pro Geschoss gibt es drei Wohnungen, zwei davon Rücken an Rücken gespiegelt. Ein frei stehender Sanitärkern zoniert den Raum und erzeugt vielfältige Wegbeziehungen – oder bei geschlossenen Schiebetüren einen Abstell- und Arbeitsraum. Die Loggia geht über die ganze Wohnungsbreite und erweitert den Wohn- und Essraum. Die dritte Wohnung im Geschoss ist dreiseitig orientiert und hat zwei kleinere Loggien, die von unterschiedlichen Lichtsituationen profitieren. Das Zimmer hinter dem Treppenhaus lässt sich wahlweise der einen oder der anderen Wohnung zuschlagen, sodass für die Zukunft eine gewisse Flexibilität besteht. Die Fassaden sind aus Klinkersteinen «Jura bunt» gemauert. Diese changieren in unterschiedlichen Farben und erzeugen eine lebendige Oberfläche. Aus dem gleichen Material bestehen die Kleinbauten der Siedlung und die Sichtschutzwände bei den Eingängen, so-dass der Klinker zum verbindenden Element der ganzen Siedlung wird.

Siedlung Staudenbühl, 2012

Birchstrasse 259–261, Zürich

– Bauherrschaft: Genossenschaft Gewobag, Zürich

– Architektur: Asa Arbeitsgruppe für Siedlungsplanung und Architektur, Rapperswil / Uster

– Landschaftsarchitektur: Ryffel & Ryffel Landschaftsarchitekten, Uster

– Kosten (BKP 0–5): CHF 43 Mio.

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